Donnerstag, 26. August 2010
Lindau – Chur, 109 km, 550 Hm, 5.20 h
Mit dem Zug fahren wir von München nach Lindau. Der Zug ist voller Wanderlustiger und Fahrradfahrer. Das Bayernticket teilen wir uns noch mit 2 anderen Reisenden, die uns am Bahnhof angesprochen haben und bis Immenstadt fahren wollen. Wie üblich, geht es auch dieses Mal nicht ohne Probleme mit der Bahn ab: Kurz vor Immenstadt ereilt uns die Durchsage, dass die Lokomotive defekt sei, in Immenstadt deshalb der Zug ende und wir in einen anderen Zug umsteigen müssen, der Lindau 75 Minuten zu spät erreicht. Die Zeit wird auf diese Weise knapp, können wir doch erst um 14.30 Uhr unsere erste Radetappe starten. Zugfahren macht einfach keinen Spaß – leider können wir nicht einmal eine Kostenerstattung geltend machen, da wir diese innerhalb einer Woche machen müssten, also mitten auf der Radltour!
Entlang des Bodensees fahren wir nach Bregenz und von dort weiter nach Vaduz, Liechtenstein. Hier gönnen wir uns eine kurze Pause bei einem Eis und einem kurzen Stadtdurchgang, bevor es den Luzisteig hinauf geht und dann nach Chur. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir dort unser Quartier, das Backpacker Hostel JBN. Pizza und Salat stärken uns für den nächsten Bikertag.






Radroute 697741 – powered by Bikemap
Freitag, 27. August 2010
Chur -Oberalppass – Hospental, 106 km, 1.950 Hm, 6.30 h
Von Chur fahren wir über Ems auf der Hauptstraße über Flims, Laax nach Illanz. Leider verpassen wir die Abzweigung in Reichenau, um über die ruhige und landschaftlich schöne Straße auf der anderen Seite des Tals geruhsam radeln zu können. Der Autoverkehr und der entsprechende Lärm vermiesen das Radeln. Aber in Illanz wechseln wir die Straße und fahren wie geplant über Obersaxen, Muster und Selva. Immer wieder zwingen uns heftige Niederschläge zu Pausen. In Disentis holen wir uns unser Mittagessen aus dem Supermarkt, bevor es bei wieder schönem Wetter hinauf zum Oberalppass geht. Eine kurze Kaffeepause und schon lassen wir es hinunter nach Andermatt und weiter das Tal hinein nach Hospental laufen. In der dortigen Jugendherberge Hospental finden wir Quartier.












Radroute 697764 – powered by Bikemap
Samstag, 28. August 2010
Hospental/Andermatt – Furkapass – Sion, 139 km, 1.100 Hm, 7.00 h
Leider hängen schwere Wolken über dem Furkapass und bereits bei unserem heutigen Start regnet es. Aber wir sind optimistisch und radeln Kehre um Kehre hinauf. Tatsächlich lässt der Regen nach. Nur – leider zur Abfahrt setzt er in voller Stärke ein. Auch nach einer Wartepause bei Kaffee und Kuchen im einzigen Restaurant kurz unterhalb des Passes lässt er nicht nach und wir sehen uns gezwungen, uns dick in unsere Klamotten einzupacken und durch tiefes Wasser auf der Straße hinunterzubremsen. Auch ist es empfindlich kalt.
In Oberwald angekommen sind die Hände trotz Handschuhen bitter kalt und meine Bremsklötze abgefahren. Ein cleverer Radhändler hat aber genau an der richtigen Stelle sein Geschäft und lebt offenbar von den Radlern, die nach Abfahrt vom Furkapass Probleme mit den Bremsen haben. Stolze 70 SFr sind zu berappen für 2 Paar gewöhnliche Bremsklötze.
Dafür bessert sich zunehmend das Wetter, die Sonne kommt immer mehr durch. Die Pause in Brig nutzen wir bei herrlichem Sonnenschein zum Trocknen unserer Kleidung, während wir es uns beim Eisschlecken gut gehen lassen. Über Visp fahren wir auf stark befahrener Straße und bei Gegenwind weiter nach Sion. Wieder übernachten wir in der dortigen Jugendherberge Sion und lassen uns eine Pizza schmecken.












Radroute 711716 – powered by Bikemap
Sonntag, 29. August 2010
Sion – Großer St. Bernhardpass – Saint Pierre, 126 km, 2.320 Hm, 7.00 h
Das Wetter verspricht gut zu werden. Nach einem reichhaltigen Frühstücksbuffet fahren wir uns warm auf einer leeren Bundesstraße nach Martigny. Von dort es geht 44 km hinauf zum Col du Grand St. Bernard. Die Steigung ist angenehm, nur die zunehmenden Autos und Motorräder stören die Fahrt. Selbst den Tunnel nutzen sie nicht. Die letzten 500 Höhenmeter sind steil und winden sich über Serpentinen und einer engeren Straße hinauf. Trotz Sonne ist es kalt und so wärmen wir uns in einem der Restaurants am Pass bei Suppe und Menü auf. Flott fahren wir hinunter und erreichen bald Aosta.
Aosta lässt uns die Kälte schnell vergessen. In der Sonne essen wir Eis und beobachten die zahlreichen Sonntags-Spaziergänger.
Weiter geht es auf stark befahrener Straße nach Saint-Pierre. Nach kurzer Suche finden wir ein schönes Zimmer im Hotel Chateau zu einem günstigen Preis. Eine richtige Radlermahlzeit gibt es mit Salat und Spagetti in Chez Mario.
















Radroute 711728 – powered by Bikemap
Montag, 30. August 2010
Saint Pierre – Kleiner St. Bernhardpass – Ste. Foy du Tarentaise, 87 km, 2.070 Hm, 5.30 h
Nach einem tollen Frühstücksbuffet können wir uns wieder warmfahren auf ebener Strecke nach Morgex bzw. Champex. Über La Thuile erreichen wir den Col du Petit St. Bernard. Im dortigen Bergrestaurant wärme ich mich zuerst am Holzofen. Mein Tacho zeigt eine Temperatur von 4 Grad an und der Wind bläst kräftig.
Hinunter fahren wir auf einer herrlichen Strecke bis fast nach Bourg Saint-Maurice. Dort biegen wir ab Richtung Col d’Iseran. In Sainte-Foy-Tarentaise finden wir eine bezaubernde Gite d’Etape. Ein altes Lebensmittelgeschäft wurde 7 Jahre lang liebevoll renoviert und komfortabel ausgestattet (das Bad verfügt sogar über eine “Regen-”Dusche). Das Wirtsehepaar kocht für uns ein phantastisches Menü mit Salat, Quiche, Gemüse, Gänsefleisch und einem Pflaumenkompott als Dessert. Am Holzofen unterhalten wir uns noch bei Wein.












Radroute 712512 – powered by Bikemap
Dienstag, 31. August 2010
Ste. Foy du Tarentaise – Col de l’Iseran – Modane, 95 km, 1.900 Hm, 5.30 h
Leider müssen wir dieses bezaubernde Quartier wieder verlassen. Bei schönem, aber kaltem Wetter geht es gleich hinauf über Val d’Isere zum Col d’Iseran. Am dortigen Restaurant machen wir an der Hauswand Mittag und wärmen uns auf. Wieder eine schöne Abfahrt. Auf dem Weg nach Villarodin versuchen wir etwas zum Essen zu bekommen. Aber alle Supermärkte und Bäckereien sind geschlossen, keine Restaurants, nur Creperien. In der ersten werden wir gleich blöd angequatscht, dass wir das Fahrrad weg von den Blumen stellen sollen, im zweiten gibt es ein teures Sandwich ohne Butter, Tomate oder Salatblatt und wenig Wurst.
In Villarodin bei Modane haben wir eine Adresse für eine weitere Gite d’Etape mit Charme. Leider erscheint die Besitzerin auch nach längerem Warten nicht und so sind wir gezwungen, weiter nach Modane zu fahren. Diese Stadt scheint leider mehr Industriestadt zu sein. Wir finden ein einfaches Zimmer im Hotel Bellevue und essen ein Plate de Jour in einem anderen Hotel. Zum Frühstück kaufen wir notgedrungen in einem Bioladen ein, der Supermarkt ist weit ausserhalb.







Radroute 712519 – powered by Bikemap
Mittwoch, 01. September 2010
Modane – Col du Telegraphe – Col du Galibier – Briancon/Terre Rouge, 97 km, 2.470 Hm, 5.30 h
Es wird zunehmend wärmer, offenbar kommen wir dem Süden näher. Von Modane fahren wir nach Saint-Michel-de-Maurienne und von dort hinauf zum Col du Telegraphe. Dann geht es ein Stück bergab nach Vallore bevor wir den Col du Galibier erklimmen. Um das gestrige Desaster mit dem Mittagessen zu vermeiden, suche ich vorher noch ein Cafe.
Am Col du Galibier steigen wir zu Fuß hinauf auf den Aussichtspunkt. Dann radeln wir ein kurzes Stück hinunter, um uns in einem Cafe mit deutschsprachigem Wirt einen Kaffee und ein Stück Tarte schmecken zu lassen.
Briancon ist schnell erreicht. Ein Besuch im dortigen Aldi stattet uns mit den wichtigsten Fressalien aus. Entgegen unserer bisherigen Planung entscheiden wir uns, nicht über das Tal weiter zu fahren, sondern einen zusätzlichen Pass, den Col du Izoard, mitzunehmen. Dementsprechend biegen wir in Briancon von der Bundesstraße ab. In dem kleinen Nest Terre Rouge entdecken wir eine einfache Gite d’Etape. Ein netter Wirt verköstigt uns und lässt uns sogar in 2 Zimmern schlafen – einmal hell und offenes Fenster, einmal dunkel und geschlossenes Fenster. So kommt jeder auf seine Kosten!







Radroute 712525 – powered by Bikemap
Donnerstag, 02. September 2010
Briancon/Terre Rouge – Col du Izoard – Col de Vars – Jausiers, 92 km, 2.160 Hm, 5.30 h
Bei angenehmer Temperatur radeln wir hinauf zum Col du Izoard. Hinunter münden wir in Guillestre auf die Bundesstrasse. Mittagessen gibt es aus dem Carrefour, dann noch Sightseeing und hinauf zum Col de Vars. Dieser Pass zieht sich lange hin, da er am Ende einer Hochebene liegt.
In Jausiers nehmen wir ein Zimmer in einem Gite de Sejour. Auch dieses ist wieder liebevoll eingerichtet. Zum Abendessen gehen wir in die kleine Innenstadt – allerdings gibt es erst ab 19.30 Uhr etwas, und wir sind schon soooo hungrig.






Radroute 712533 – powered by Bikemap
Freitag, 03. September 2010
Jausiers – Cime de la Bonette – Nice, 142 km, 1.850 Hm, 5.50 h
Von Jausier biegt die Straße ab hinauf zum Cime de la Bonette (2.30 h), dem angeblich höchsten Pass der Alpen. Dafür wurde oben eine zusätzliche Schleife angelegt, um die Höhe von 2.800 m zu überschreiten. Aufgrund einer Baustelle ist der Autoverkehr für 1 1/2 Stunden gesperrt. Auf diese Weise lässt es sich entspannt hinauf fahren und wir können die Landschaft genießen. Die letzten Höhenmeter sind wieder richtig steil. Am Pass selbst kann man noch einige Meter hinaufwandern und hat von dort einen herrlichen Rundblick über die Seealpen.
2.800 Höhenmeter Abfahrt liegen vor uns, aber auch fast 120 Kilometer. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Tagen läuft es dank des Gefälles prächtig hinunter. Eine kurze Mittagspause unterwegs, dann über einen Gorge, einen längeren Tunnel, grandiose Ausblicke in die Schlucht und mehrere weitere Tunnel gelangen wir in den weitläufigen Aussenbereich von Nizza. Immer wieder können wir Radwege nutzen, sogar in Nizza führt entlang des Meeres ein abgetrennter Bereich für Radler. Unser etap-Hotel ist auf diese Weise bald erreicht. Dort treffen wir uns mit Wolfgang, der mit dem Auto die Etappe in 2 Tagen zurückgelegt hat.







Radroute 712536 – powered by Bikemap
Samstag, 04. September 2010
Nizza – Sightseeing
Nach so viel Radeltagen bleiben die Räder heute im Zimmer. Zu Fuß erkunden wir Nizza mit seiner Uferpromenade, das Schloss, die vielen kleinen Gassen und probieren neue Eiskreationen.




Wichtige Links:
Unterkünfte Chambres d’hotes charme
www.thebestbedandbreakfastfrance.com
Gesamte Route: 9 Tage, 993 km, 16.370 Hm
Ausgaben: ca. 600 €
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