So 12 Jul 2009
Mit dem MTB um die Brenta
Gebloggt von Angela unter MTB/Rennrad
Früh um 5.00 Uhr starten wir, Alexandra, Tina und ich von Bad Aibling aus, um mit dem Auto Richtung Brenta zu fahren. Unser Ziel ist Male, gleich westlich vom Lago di S. Giustina.
1. Tag: Male - Madonna di Campiglio/Val Vallesinella, 62 km, 1.600 Hm
Bei herrlichem Wetter springen wir im Nu auf die Räder und stürzen uns auf die erste Bike-Beschilderung. Der Weg ist laut unseren Informationen schließlich gut gekennzeichnet. Voller Freude fahren wir entlang einem Fluß, gut ausgeschildert. Immer wieder ein Blick auf die Karte - allerdings lassen sich die Orte, durch die wir fahren, nicht auf der Karte finden. Macht nichts, eigentlich können wir nichts falsch machen und die Karte ist nicht mehr ganz die Jüngste. Aber irgendwann werde ich dann doch stutzig. Sollte schon längst ordentlich bergauf gehen. Meine Augen schweifen umher und plötzlich nehmen sie den Ort Odessa auf der Karte wahr. Du liebe Güte! Wir sind in einem ganz anderen Tal, statt nach Süden sind wir nach Westen gefahren. Also nichts wie zurück!
Vor Dimaro kürzen wir über Almazzago ab und gelangen endlich auf die eigentliche Strecke. Diese ist in der Tat hervorragend ausgeschildert, sogar mit Landkarte. Wir ärgern uns ein wenig über unsere eigene Dummheit, etwa 30 Kilometer falsch gefahren, aber was hilfts? Über eine steile Kiesstraße mit vielen Serpentinen radeln wir entlang des Flusses Tollente Meledrio hinauf zum Dosso di S. Brigida.
Weiter geht es hinauf zum Passo Campo Carlo Magno, 1.563 m, bevor die Abfahrt hinunter nach Madonna di Campiglio folgt. Auf der Passstraße weiter in den Ort und dann links ins Tal Vallesinella. Im einzigen dortigen Refugio übernachten wir. Leider riecht das Zimmer nach Moder, die Betten sind klamm, das Bad wird beim Duschen überflutet, alle Räume sind kalt und das Essen einschließlich Frühstück ziemlich dürftig. Und das zu einem Preis von € 30,00 für Übernachtung mit Frühstück!
2. Tag: Val Vallesinella - Stenico - Molveno - Andalo, 61 km, 1.700 Hm
Nach einem lausigen Frühstück mit abgepackter Marmelade und alten Semmeln fahren wir auf einer guten Forststraße hinauf zum Lago di Valagola.
Entlang dem See können wir noch gut radeln, bevor es dann einen Wanderweg - Schiebestrecke - hinauf zum Passo del Gotro, 1.850 m geht.
Bald darauf erwartet uns eine lange Abfahrt hinunter zur Teerstraße, nach Ragoli, 500 m. Mehr als 1.300 Höhenmeter herrliches Fahren. Die Teerstraße weiter nach Stenico überrascht uns mit einer Totalsperre: Eine Mure ist abgegangen und hat die Straße verschüttet. Der Bagger ist gerade dabei, Steine und Erde wegzuschaffen. Für uns Radler ist es ein leichtes, das Hindernis zu überwinden. Unbeschwert geht es auf autofreier Teerstraße nach Stenico. In einer Bar unterhalb des Castel kriegen wir dort eine Pizza aus der Tiefkühltruhe.
Nach dieser tollen Stärkung führt die Route durch kleinste Straßen mitten durch Plantagen. Wir sind mittlerweile am südlichsten Zipfel unserer Tour, der Gardasee nur etwa 20 Kilometer entfernt. Doch vom dortigen Rubel ist hier nichts zu spüren. Keine Eisdielen, keine Pizzerien, keine Touristen, keine Autos - alles ziemlich ausgestorben. Dafür landschaftlich ein Highlight am anderen: Einsame Dörfer mit uralten Steinstraßen, die sich steil die Berge hinaufziehen, Blicke ins Tal von Banale. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, auch wenn in den Höfen ein Mountain Bike steht und sicherlich auch hier per Handy telefoniert wird und ein Internetanschluß zur Verfügung steht. Aber vor dem Haus sitzt auch mal eine Oma und strickt.
Die Route fordert uns Radlern einiges ab: Die Steinstraßen sind z.T. sehr steil, immer wieder richtige Rampen, schmale Kurven. Aber dafür gibt es nahezu keinen Autoverkehr. Wir überqueren schließlich die Hauptstraße nach Moveno und fahren vorbei am Lago di Nembia und gleich darauf linkerhand vom Lago di Molveno mitten durch lichten Wald, bevor es hinab nach Molveno geht. Bei leichtem Regen erreichen wir diese Stadt und sind überrascht über die vielen Touristen und das hektische Treiben. Unsere Frage nach einem Radgeschäft - Alexandra meint, ihre Bremsen gehen nicht mehr richtig - wird negativ beantwortet. Angeblich gibt es auf der ganzen Strecke keins. Also der Route folgend weiter oberhalb der Hauptstraße über einsame Wanderwege nach Andalo.
In Andalo finden wir gleich die Touristinformation. Dort heißt es zuerst, dass eine Übernachtung für eine Nacht nicht möglich sei. Erst auf drängendes Nachfragen hängt sich ein hilfsbereiter Herr ans Telefon und telefoniert mögliche Hotels ab. Schließlich vermittelt er uns das Hotel Angelo, 3-Sterne, mit Halbpension für € 50. Was will man mehr! Bei Salatbüffet, Vorspeise, Hauptspeise und leckerer Nachspeise schlagen wir uns die Bäuche voll.
3. Tag: Andalo - Spormaggiore - Tuenno- Lago di Tovel, 57 km, 1.900 Hm
Wir plündern das Frühstücksbüffet und sind davon überzeugt, dass sich das nächste Mal, dieses Hotel weigern wird, Biker zu bewirten. Die Gäste rund um uns, sind in der Regel italienische Renter, die kuren oder sich erholen. Derart gestärkt genießen wir umso mehr die zu durchfahrende Landschaft. Weiterhin einsame Straßen, ohne Autoverkehr, durch Plantagen, z.T. steil bergauf und bergab und mit großartigen Ausblicken, die kleine Straße auch mal unterhalb eines Hauses mit Rechtskurve so steil, dass man sich scheut, durchzufahren.
Bei Flavon geraten wir in ein MTB-Rennen. Ein Teil unserer Strecke wird von den Teilnehmern befahren. In Italien aber kein Grund, uns nicht darüber zu lassen. Glücklicherweise ist das Rennen fast beendet. Die Fahrer fahren sich noch locker aus und so treffen wir auf einem Schmalstück, wo der Weg aus dem Fels herausgeschlagen ist, auf eine Gruppe Radler. Ein kleiner Waldsee lädt zum Entspannen ein. Wir nutzen das frische Wasser, um unsere Flaschen nachzufüllen.
Kurz vor Erreichen von Tuenno, unserer Abzweigung zu unserem heutigen Ziel zum Lago di Tovel, geht es in einer scharfen Rechtskurve, an der jeder von uns erst mal geradeaus fährt, plötzlich steil bergauf, mitten durch Obstplantagen. Die letzten Meter führt uns die Hauptstraße nach Tuenno. Leider schließt die einzige Bar genau in dem Moment, als wir uns dort einen Cappucchino und ein Eis genehmigen wollen. Also gibt es auf der Bank gegenüber eben einen kurzen Imbiss unserer mitgenommenen Brotzeit und ein kleines Schläfchen. Dieses wird abrupt unterbrochen durch den Aufschrei von Tina, dass die Bar wieder offen hat. Also Cafe und Eis schnell nachgeholt. Derart gestärkt fahren wir 10 Kilometer über die Straße hinauf zum Lago di Tovel. Dort beziehen wir im Albergo Lago Rosso Quartier. Ich fahre noch 400 Höhenmeter weiter hinauf, bis die Fahrstraße bei einer Alm endet. Dabei sind einige Rampen mit 25-30 % zu überwinden. Leider verstecken sich die Berge mit ihrer Schönheit hinter den Wolken.
4. Tag: Lago di Tovel - Tuenno - Rifugio Peller - Male, 63 km, 1.900 Hm
Frühstück besteht wieder mal aus wenigen Weißbrotscheiben und abgepackter Marmelade. Ein richtiges Bikerfrühstück sieht anders aus, aber was will man machen. Die Fahrt zurück nach Tuenno beginnen wir mit einer Rundfahrt rund um den See, der malerisch vor uns liegt.
Tuenno ist schnell erreicht - schließlich geht es auf Asphalt bergab. Dafür erwartet uns in Tuenno, 630 m, ein langer Anstieg auf einer Forststraße bis hinauf zum Refugio Peller, 2.022 m. Auf der Strecke sind nahezu keine Brunnen und die Sonne scheint erbarmungslos auf die Strecke. Vorneweg mache ich mir Gedanken, ob Alex und Tina noch ausreichend Wasser haben und beschließe, auf der Hochebene Wasser aufzufüllen und ihnen entgegen zu fahren. Also wieder 300 Höhenmeter hinab. Glücklicherweise konnten sie Wasser finden und fahren unverdrossen hinauf. Der Weg zieht sich fast unendlich hinauf. Aber der Ausblick und die netten Wirtsleute entschädigen für die Mühe und den Schweiß. Wir stärken uns mit Gerstensuppe und Spagetti.
Nach dieser Stärkung geht’s fast nur noch bergab, an einigen Almen vorbei. Die Hände tun uns weh, vom langen Bremsen. Und irgenwie sehnen wir uns nach einem Eisbecher. Aber das Tal will nicht näher kommen. Zum Schluss irren wir im “Angesicht von Male” noch durch die Wälder auf der Suche nach der besten Möglichkeit, zum Städtchen zu gelangen. Der eingeschlagene Weg führt plötzlich wieder bergauf. Also nochmals zurück, über den Fluss und auf der Hauptstraße zum Auto, das Gott sei Dank, unberührt dort steht, wo wir es abgestellt haben. Vor der Heimfahrt belohnen wir uns noch mit dem ersehnten Eisbecher.
Gesamteindruck:
4 Tage Biker-Traum.
Sehr gute Beschilderung, die die Wegfindung einfach macht und normalerweise Kartenlesen erübrigt - wenn man den Einstieg gefunden hat! Wir haben wenig Biker getroffen, obwohl die Route erst in der letzten Ausgabe des Alpenvereinsheftes Panorama beschrieben war. Statt unserer gewählten Übernachtung in Vallisella sollte man die Graffer-Hütte wählen trotz des zusätzlichen Anstiegs. Und wenn möglich, in der Peller-Hütte übernachten. Allerdings ist der lange Anstieg am Nachmittag in der prallen Sonne nicht zu unterschätzen - genügend Wasser mitnehmen (2 Radlflaschen) und ausreichend Essen.
Infomaterial: im Internet: Dolomit di Brenta Bike oder
Hinweis: Besorgen Sie sich in einem Tourist Information Center unbedingt die spezielle Biker-Karte mit dem Prospekt
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