Montag, 24. August 2009
Thomas und ich fahren in die Dolomiten, um Klettersteige zu gehen. Für mich ist es das erste Mal. Daher steht eine einfache Tour, laut Führer A/B auf dem Plan: Der Klettersteig vom Grödnerjoch zur Großen Cirspitze, 2.592 m. Hierbei handelt es sich in der Tat um einen sehr einfachen. Eigentlich ist das Klettersteigset wirklich übertrieben, der Steig gut gesichert und nicht ausgesetzt.








Wir übernachten direkt am Grödnerjoch, in der Rifugio Alpino Frara im Lager (relativ teuer mit € 29,00) mit Blick auf den Sellastock. Abends noch Spaziergang zum Einstieg unseres morgigen Klettersteigs zur Pisciadu-Hütte.
Dienstag, 25. August 2009
Nach den guten Erfahrungen mit Schwierigkeitsgrad A/B wollen wir uns heute an einen schwierigen (Stufe C), aber laut Führer extrem schönen Klettersteig wagen, den Brigada Tridentina zur Pisciadu-Hütte. Wenn es nicht klappt, ist ein Ausstieg unterhalb der schwierigsten Stelle, dem Exner-Turm möglich. Doch der Steig ist extrem gut versichert und das Klettern macht einen Riesenspaß. Die Brücke über eine gewaltige Schlucht kurz vor dem Ausstieg ist natürlich begehrtes Fotoobjekt und so bildet sich hier ein Stau. Die letzten Meter zur Rifugio Pisciadu, 2.588 m sind schnell überwunden. Dort lädt der Blick auf den See und die ganze Umgebung zu einer Rast ein.












Mittlerweile sind Heerscharen von Menschen unterwegs. Überall größere Gruppen, Weitwanderer, Familien, Hunde, Kletterer usw. Der Weg führt durch eine richtige Mondlandschaft weiter zur Rifugio Boe, 2.871 m.








Nachdem wir uns ein Lager reserviert haben, geht es mit Tausenden von anderen Menschen noch hinauf zur Rifugio Fassa am Piz Boe, 3.152 m.




Mittwoch, 26. August 2009
Nach einem typisch spärlichen Frühstück verlassen wir den Sellastock durch das Mittagstal. Der obere Teil erfordert Vorsicht, da loses Geröll auf dem Weg liegt und der Weg selbst noch durch den morgendlichen Tau rutschig ist. Schließlich kommen wir über die bereits bekannte Route 666 vorbei am Einstieg des gestrigen Klettersteigs und erreichen bald darauf das Grödnerjoch.



Mit dem Auto gelangen wir schnell zu unserem nächsten Ziel, dem Sellajoch. Von dort steigen wir über die Langkofelscharte hinauf zur Toni Demetzhütte und weiter zu unserem heutigen Übernachtungsziel, der Langkofelhütte, 2.253 m.




Mir ist es noch zu früh, um auf der Hütte die Zeit tot zu schlagen, auch zu viele Menschen und so beschließe ich, einen Ausflug zur Plattkofelhütte zu machen. Um 6.00 Uhr will ich wieder an der Hütte zurück sein. Also marschiere ich stramm dahin und erreiche die Plattkofelhütte bereits nach 1 Stunde. Von dort ist es auf den Plattkofel,2.954 m laut Wegweiser nur noch 1 1/2 Stunden. Also nichts wie rauf. Ich liege gut in der Zeit – 1 Stunde für den Gipfelaufstieg und so bin ich in weniger als 4 Stunden wieder zurück auf der Hütte, die mittlerweile fast verwaist daliegt.







Nach einem kräftigen Abendessen erwartet uns noch ein toller Hüttenabend: Eine Gruppe Italiener, anscheinend ein Chor singt Lieder. Offenbar haben sie einen Dirigenten dabei und sind in der Lage, auch mehrstimmig zu singen. Ein wahrer Genuss. Natürlich werden auch bald die Deutschen aufgefordert, sich musikalisch zu beteiligen. Der Hüttenwirt greift in die Tasten seines Akkordeons. Bald sind alle voller Begeisterung dabei, singen, tanzen oder marschieren bei der Polonaise über Tische und Bänke.



Donnerstag, 27. August 2009
Nach einer unruhigen Nacht – alle waren aufgekratzt vom Singen und Tanzen – packen wir als eine der ersten nach dem Frühstück unsere Rucksäcke und eilen zu unserem nächsten Klettersteig, dem Schustersteig, der auf den Plattkofel führt. Auch dieser ist laut Führer mit der Schwierigkeitsstufe C bewertet, hat einen hohen Fun-Faktor, ist allerdings nur wenig gesichert und dafür viel zu klettern. Man muss gut aufpassen, den Markierungen zu folgen. Diese gehen nicht immer bergauf, sondern auch mal rechts oder links oder sogar bergab.Auch dieser Klettersteig ist wieder eine große Freude und nach 1 1/2 Stunden der Ausstieg am Gipfel erreicht




Über die bereits bekannte Schotterpiste des Plattkofels geht es bergab zur Plattkofelhütte, 2.297 m. Dort gönnen wir uns einen Joghurt mit Erdbeeren bevor wir den langen Marsch durch die Menschenmassen zum Sellajoch antreten. Hinz und Kunz, Kind und Kegel sind unterwegs.








Nach diesem Massentourismus entschließen wir uns, in den Rosengarten zu fahren. Auf dem Rotwandhaus, 2.280 m haben wir für die Übernachtung reserviert. Nach der AutofahrtRichtung Karerpass parken wir bei Chiusel, 1.755 m und wandern in 1 1/2 Stunden hinauf zur Hütte. Bald müssen wir feststellen, dass die Hütte total besetzt ist und sogar Notlager aufgestellt werden. Wieder sind mehrere große Gruppen, u.a. der DAV Summit unterwegs. Ich empfinde dies allmählich ziemlich unangenehm und mit dem Alpenvereinsgedanken nicht unbedingt vereinbar – für Einzelwanderer bzw. Individualreisende gibt es allmählich keinen Platz mehr. Sind diese mittlerweile unerwünscht? Die Hütte ist zwar ziemlich neu, aber offenbar hat der Architekt nicht an Sanitäranlagen gedacht. So stehen für mehr als 50 Leute gerade mal 2 Toiletten und 3 winzige Waschbecken unter der Treppe zur Verfügung. Auch die Lagerplätze sind unverhältnismäßig groß, an Aufhängemöglichkeiten wurde nicht gedacht.




Freitag, 28. August 2009
Noch während dem Frühstück bezahle ich, damit wir vor den Anderen starten können. Wir gehen zuerst zur Rotwand. Auf den Gipfel führt ein leichter Klettersteig, der den Einsatz des Klettersteigsets nur selten erfordert, aber schnelles Klettern erlaubt.




Der Übergang zum Rotwand-Masare-Klettersteig ist gut versichert, mit Leitern, Haken und Sicherungsseilen. Der Klettersteig selbst macht Spaß und erlaubt permanent Blicke hinab zur Hütte, da er entlang des Massivs führt. Nur wenige Gruppen kommen uns entgegen, so dass die von mir gefürchteten Passiermanöver vermieden werden können. Schnell, viel zu schnell ist der Ausstieg erreicht. Jetzt strömen die Klettersteiggeher gerade so herbei, während wir Brotzeit machen und dem Treiben zuschauen.






Bald ist das Auto erreicht, und eine herrliche Klettersteigwoche findet ihr Ende.
Ein empfehlenswerter Führer ist: Klettersteig-Atlas Dolomiten & Südtirol von Sascha Hoch, Michael Rüttinger und Stephan Beeler