Gemeinsam mit Helga habe ich mich bereits vor fast einem Jahr zu einem besonderen Trecking in Nepal bei Amical angemeldet: Mustang Naar Phu Trekking mit Besteigung des Seribung Peak, 6.328 m hoch. Nach einer intensiven konditionellen Vorbereitung und einer Aufstockung des vorhandenen Materials geht es am 10. Oktober los per Bahn nach Frankfurt und Nachtflug mit Ethiad Airways über Abudabi (6 Stunden Aufenthalt) nach Kathmandu. Das dortige Shangri La erreichen wir abends am Sonntag, 11. 10.2009. Wir bekommen noch ein Abendessen.
1. Tag: Montag, 12.10.2009
Kathmandu – Pokhara
Erst am Nachmittag bringt uns das Flugzeug zur nächsten Station, nach Pokhara. Deshalb bleibt uns der Vormittag zur eigenen Erkundung von Kathmandu. Bereits vor dem Frühstück nutze ich die Zeit, um die ersten Eindrücke zu gewinnen. Danach geht es mit Helga durch den touristischen Stadtteil Thamel, der vom Hotel gut zu Fuß zu erreichen ist. Dort reiht sich ein Händler an den nächsten. Die Läden sind voll mit Plagiaten aller Sportmarken. Wer soll das nur alles kaufen? So viele Touristen kann es gar nicht geben. Leider bleibt unsere Suche nach Gamaschen für Helga und nach einer Wanderkarte mit unserer Trecking-Route vergebens.
Reibungslos landen wir in Pokhara und werden zum dortigen Shangri-La gebracht. Nach Bezug unserer netten Zimmer nehmen wir uns zusammen mit Gerald und Dagmar ein Taxi, um zum Phewa-See zu fahren. Ein Ruderboot bringt uns noch schnell auf eine kleine Insel im See, auf der sich der Hindutempel Varahi Mandir mit vielen erotischen Schnitzereien befindet. Leider ist es mittlerweile ziemlich dunkel, aber noch jede Menge Besucher weilen auf der Insel. Dieser See liegt sehr malerisch, umrahmt von den Gipfeln des Himalaya, wie Annapurna Himal. Es reicht gerade noch zu einem kurzen Spaziergang durch die Touristenmeile, bevor es stockfinster wird und wir zum Abendessen im Hotel zurückfahren.




2. Tag: Dienstag, 13.10.2009
Pokhara – Jomsom – Kagbeni
ca. 150 hm, 3 Std. Gehzeit
Früh beginnt der Tag – extra für uns wurde das Frühstück früher als üblich angerichtet – gleich mit einer Gaudi: Priska entdeckt mitten auf dem Frühstücksbüffet eine kleine Maus. Diese scheint Quartier im “Paradies” bezogen zu haben.
Mit einer kleinen Maschine geht es bei bestem Wetter durch die angeblich tiefste Schlucht der Erde, dem Kali Gandaki nach Jomsom, 2.720 m. Die Landebahn beeindruckt durch die Rampe in diese Schlucht, die aber aufgrund ihrer Weite nicht beängstigend wirkt. Durch die Fenster der Maschine bekommen wir bereits einen Eindruck der gigantischen Szenerie.
Die Formalitäten in Jomsom sind schnell hinter uns gebracht. Bei einer Tasse Tee auf einem Hausdach lässt sich die Wartezeit gut überbrücken und wir haben einen ersten Blick auf die uns begleitende Mannschaft und dem mitzuführenden Material. Wohin man schaut Träger, Sherpas im Alter von 16 – 40 Jahren und nebst unseren Taschen Küchengeschirr, Zelte, Proviant, Erste-Hilfe-Koffer und so weiter.
Schließlich ist aber alles vorbereitet, auch unser Permit abgezeichnet und der Treck kann beginnen. Wir wandern entlang des Flussbetts des Kali Gandaki zu unserem ersten Übernachtungsplatz in Kagbeni, 2.880 m. Dieses ist bereits sehr tibetisch und dementsprechend sauber. Dort sind in einem Hinterhof unsere Zelte aufgebaut, im Haus gegenüber bekommen wir Mittag- und Abendessen.








Rosemarie und ich nutzen den Nachmittag für eine erste Bergbesteigung – wir klettern auf den nächsten Bergrücken und erklären die höchste Erhebung zum Gipfel. Von dort haben wir einen guten Überblick auf Kagbeni, das Flußtal und die andere Flußseite. Allerdings ist der zunehmende Wind ziemlich kalt und lässt die Gipfelrast sehr kurz ausfallen.
3. Tag: Mittwoch, 14.10.2009
Kagbeni – Chele (3.100 m)
ca. 460 hm bergauf, 150 hm bergab, 6,5 Std. Gehzeit
Weiter geht es entlang dieses Flußbetts. Die meiste Zeit geht der Weg direkt am Fluß entlang, wobei die ersten Versteinerungen gefunden werden. Hermann, unser Hausarzt, kriegt gar nicht genug davon und klopft eifrig auf der Suche nach dem großen Fund. Erst bei der Mittagspause in Chusang, 2.950 m ist damit erstmal Schluß, als ein Stein ihn am Kopf trifft und eine größere Schnittwunde hinterlässt. Aber bei unserem Ober- und Intensivarzt Fredo und der Krankenschwester Helga ist er in besten Händen und die Wunde wird fachmännisch verklebt.
Chusang ist ein kleines Dorf am Hang mit Resten einer Monastery. In einem Hof gibt es Mittagessen. Dort taucht auch ein Bauer in Lederjacke mit seinem Sohn auf, der uns seine Versteinerungen verkaufen will bzw. Schokolade erbettelt. Ein Frau verkauft Äpfel. Ich streune vor dem Essen noch in der Umgebung herum auf der Suche nach Fotomotiven und entdecke dabei das Bewässerungssystem des Dorfes mit seinen gut erhaltenen und clever angelegten Kanälen. Damit werden die Felder am Rand des Dorfes bewässert und so können die Dorfbewohner alles anbauen, was sie zum Leben brauchen.
Nach der mittäglichen Stärkung geht es weiter entlang des Flußes. Unterhalb des Dorfes Chele, 3.050 m, überqueren wir auf einer modernen Brücke den Fluß und marschieren nun westlich des Flusses Mustang Khola, die Fortsetzung des Kali Gandaki Rivers. Am Ortsausgang von Chele erwarten uns unsere Zelte in einem weiteren Hinterhof. Die Toilette ist durch eine eigene Tür vom Zeltplatz getrennt – sehr zur Freude von Frieda und Anita, die direkt davor ihr Zelt haben und jedes Mal vom Schlagen der Tür aufgeschreckt werden. Auch hier gibt es im angrenzenden Haus einen Essensraum. So können wir relativ bequem und vor allem windgeschützt sitzend essen.










4. Tag: Donnerstag, 15.10.2009
Chele – Syangpoche (3.800 m)
ca. 1.450 hm bergauf, 700 hm bergab, 6 Std. Gehzeit
Nach dem üblichen Morgenprozedere mit “Good-Morning-Tee”, Packen, Zeltabbau und Frühstück geht unser Trekking weiter entlang eines steilen Canyons mit herrlichen Ausblicken auf die gegenüberliegende Seite. Sobald das Gelände flacher ist, schmiegt sich eine Siedlung in den Hang. Rundherum sorgen die Felder für die Versorgung der Bewohner: Kartoffeln, Gemüse, Getreide, Reis, aber nur wenig Vieh. Im Hintergrund ragen mächtige Schneeberge auf. Auf dem Weg begegnen wir immer wieder Eselskarawanen, aber auch ein Adler dreht über uns seine Kreise – wir können sogar weit über unseren Köpfen sein Nest erkennen.








Wir überqueren unseren ersten Pass (3.624 m), bevor wir wieder hinunter steigen. Direkt an der Höhle Chungsi Monastery machen wir Mittag. Natürlich steht ein Besuch der kleinen Gompa danach an. Offensichtlich wohnt dort noch primitiv ein Mönch, der von den 100 Rupienscheinen der vorbeikommenden Trekker lebt.








Nach ständigem Bergauf und Bergab erreichen wir das kleine Dorf Syangpoche (3.860 m). Unser Zeltlager befindet sich wieder in einem Hinterhof, aber es stehen uns ein Essensraum im benachbarten “Hotel” zur Verfügung.




5. Tag: Freitag, 16.10.2009
Syangpoche – Dhakmar (3.820 m)
ca. 800 hm bergauf, 780 hm bergab, 7,5 Std. Gehzeit
Gleich geht es hinauf zum Pass und weiter nach Ghiling (3.570 m). Ein längerer, steiler Anstieg führt zum Nyi La Pass (4.010 m). Hier haben wir einen herrlichen Ausblick nach Norden Richtung Mustang – natürlich werden die ersten Überlegungen angestellt, wo wohl unser Ziel der Saribung ist – und auch zu den schneebedeckten Gipfeln der Annapurna- und Nilgiri-Gruppe. Im Weiler Ghemi (3.520 m) gibt es in einem Restaurant mitten im Dorf ein Mittagessen unserer Kochcrew.












Anders als geplant, gehen wir nicht weiter nach Tsarang, sondern machen einen kleinen Bogen nach Dhakmar. Dabei kommen wir an der längsten Mani-Mauer vorbei.








6. Tag: Samstag, 17.10.2009
Dhakmar – Tsarang (3.560 m)
ca. 600 hm bergauf, 700 hm bergab, 6,5 Std. Gehzeit
In Tsarang (3.560 m) übernachten wir direkt unterhalb der wuchtigen Monastery. Ein Besuch dieser Monastery mit Beiwohnen der Zeremonie lohnt sich auf alle Fälle.












7. Tag: Sonntag, 18.10.2009
Tsarang – Lo Manthang (3.720 m)
ca. 600 hm bergauf, 4,5 Std. Gehzeit
Wir verlassen Tsarang, zuerst hinunter zum Fluss und weiter zum Lho La Pass (3.950 m). Lange zieht sich der Weg dahin bis wir die Hauptstadt von Mustang, Lo Manthang (3.720 m) erreichen. In einem Hinterhof mit hochgesetztem Toilettenplatz kommen wir gegen Mittag an. Auch dort gibt es wieder einen Essensraum. Hier in Lo Manthang ist erstmal Ruhe angesagt. Helga, Rosemarie, Hermann und Gerald sind krank und müssen sich auskurieren. Ich gehe auf Fotopirsch in Lo Manthang und sehe mir die nähere Umgebung an. Lo Manthang ist etwa 500 Jahre alt, es gibt sogar noch Häuser aus dieser Zeit und außerdem 3 Monasteries vor Ort.




8. Tag: Montag, 19.10.2009
Lo Manthang
Ruhetag, Wanderungen in der Umgebung
Heute ist offizieller Ruhetag, den die meisten zum Schlafen, Waschen, Lesen und Faulenzen nutzen. Eine kleine Gruppe, ich natürlich auch, wandert in die Umgebung und besucht die nahe gelegene Monastery.
Zum Mittagessen gibt es Lamm – die Mannschaft hat ein Lamm und einen Hammel geschlachtet. Also richtiges Festessen, nachdem wir bislang kein Fleisch bekommen haben, sondern fast durchgehend aus Dosen ernährt wurden.
Am Nachmittag besuchen wir den greisen und senilen König von Mustang – auch er hat die Aufgabe, jedem Touristen 100 Rupien abzuknöpfen. Aber dafür bekommen wir auch einen Tee. Und – vor dem Königspalast lassen sich gut Fotos von den Bewohnern beim Nachmittagsratsch machen.



9. Tag: Dienstag, 20.10.2009
Lo Manthang – Yara Gaon (3.600 m)
ca. 450 hm bergauf, 600 hm bergab, 7 Std. Gehzeit
Wir verlassen Lo Manthang und damit auch die übliche Touristenroute. Allerdings müssen wir zuerst nochmals den Lho La hinauf, bevor der Weg nach links abzweigt. Die Gegend wird zunehmend karger und noch weniger bewohnt. Der Weg führt uns über einen Rücken zur Ostseite des Mustang Khola, bevor es auf staubigen Wegen zum Dorf Dhi Gaon (3.480 m) direkt am Kali Gandaki Fluss geht. Die meisten nehmen dort erst mal ein Bad, um den schlimmsten Staub abzuwaschen. Dort legen wir auch unsere Mittagspause ein.
Danach überqueren wir den Kali Gandaki Fluss und wandern das Tal des Puyang Khola hinauf, bis wir die letzte Siedlung vor dem Pass, den Weiler Yara Gaon und damit unseren Zeltplatz erreichen.
















10. Tag: Mittwoch, 21.10.2009
Yara Gaon - Gompa Luri – Ghuma Thanti (4.750 m, Richtung Damodar Seen)
ca. 1.600 hm bergauf, 350 hm bergab, 8 Std. Gehzeit.1. Pass auf 4.960 m
Von Yara Gaon ist der Weg nicht weit zur Gompa Luri (3.850 m), die sich über den Felsen halsbrecherisch erhebt. Natürlich lassen wir uns diese zeigen und klettern hinauf, unter anderem über eine Brücke. Dabei werden wir von 3 Kindern begleitet. Mehrere Pässe und Bergrücken werden überquert, bevor wir unser Zeltlager aufschlagen. Der Platz wird markiert durch eine Blechhütte und eine Quelle.






11. Tag: Donnerstag, 22.10.2009
Ghuma Thanti – Übernachtung am Flußbett (4.850 m)
ca. 600 hm bergauf, 150 hm bergab, 4 Std. Gehzeit, 2. Pass auf 5.300 m
Die Nächte werden zunehmend kälter – die Höhe macht sich bemerkbar. Keine weiteren Siedlungen mehr, der Weg zieht sich entspannt über die Bergrücken und wieder hinunter. Unser nächster Zeltplatz liegt in einem trockenen Flussbett. Auch dort gibt es wieder eine Blechhütte, die unserer Begleitmannschaft zum Essen und Schlafen dient. Der Fluss ist nur ein Rinnsal.



12. Tag: Freitag, 23.10.2009
Flußbett – Damodar-See (4.990 m)
ca. 600 hm bergauf, 450 hm bergab, 6 Std. Gehzeit, 3. Pass auf 5.450 m (Damodar Pass)
Vom Zeltplatz können wir unseren Weiterweg bereits erkennen. Zuerst über das vereiste Flussbett, dann hinauf zum Pass. Dort liegt bereits der erste Schnee, aber schließlich kommen wir auf 5.000 m Höhe. Bald sind die heiligen Damodar-Seen erreicht und unser nächster Zeltplatz. Hier treffen wir auf eine weitere Gruppe aus Frankreich, die die gleiche Route vorhaben. Eine kleine Gruppe aus Ostdeutschland will morgen weitermarschieren, während wir einen Ruhetag einlegen.
Nach der Mittagsverpflegung mache ich noch einen Ausflug in die Umgebung und stoße dabei auch auf die Blauschafe. Leider ist ein “Gipfel” nicht möglich – die Hänge sind zu schroff, zu steil oder einfach zu sandig.






13. Tag: Samstag, 24.10.2009
Damodar-See
Ruhetag
Heute ist ein Ruhetag verordnet. Ich kann natürlich nicht faulenzen, sondern beschließe, mir den Weitermarsch anzuschauen. Lange zieht sich der Weg im Tal dahin. Als der Schnee durchgehend liegt, kehre ich um. Irgendwie bin ich ziemlich müde und fühle mich ausgelaugt. Deshalb ziehe ich mich ins Zelt zurück und schlafe ausgiebig. Zum Abendessen weckt mich Helga, so dass ich mich stärken kann.



14. Tag: Sonntag, 25.10.2009
Damodarkund – Japaner-Basecamp (5.200 m)
ca. 25 hm bergauf, 3,5 Std. Gehzeit
Unser Führer Michi will anscheinend unbedingt gleich einen Berg besteigen. Da ich den Weg kenne, weigere ich mich irgendwann, dieser falschen Route zu folgen und eile auf den mir bereits bekannten Weg. Es geht entlang des Flusses unterhalb der Moräne hinauf zum Japaner-Basislager auf 5.200 m. Nach einer Ruhepaus, die natürlich auch der Akklimatisation dienen soll, mache ich noch einen Ausflug mit Hermann durch die Eislandschaft.




15. Tag: Montag, 26.10.2009
Japaner-Basecamp – Hochlager (5.800 m)
ca. 400 hm bergauf, 5,5 Std. Gehzeit
Mittlerweile zähle ich die noch verbleibenden kalten Zeltnächte. Gott sei Dank ist das Wetter weiterhin stabil und auch heute strahlt der Himmel wieder blau über uns. Der Weiterweg ist überwältigend – eine “Straße” führt durch einen “Eispalast”. Rechts und links säumen Eiswände wie eine Allee unseren Weiterweg.






Am Hochlager unterhalb des Saribungpasses auf 5.800 m sind die Träger der Franzosen bereits angekommen und haben die Zelte aufgestellt. Also müssen wir uns selbst einen anderen Platz suchen. Direkt unterhalb eines großen Felsen, auf der Moräne graben wir mit unseren Eispickeln eine Fläche für das Küchen- und Mannschaftszelt. Wir, das sind die Schnellsten: Michi, Gerald, Bernd und ich. Danach bauen wir die “Appartements” für uns Touristen auf – bei heftigem Wind. Zu viert kämpfen wir auf dieser Höhe und bei starkem Wind mit jeweils einem Zelt. Erst als alle Zelte aufgebaut sind, kommen die Anderen der Gruppe und können sich so gleich in ihre Zelte legen. Wir sind vom Zeltaufbau so erledigt, dass die Idee, noch einen 6.000er an diesem Tag zu besteigen, gar nicht mehr weiter verfolgt wird. Schade!
16. Tag: Dienstag, 27.10.2009
Hochlager – Saribung-Pass (6.000 m) – Saribung (6.328 m) – Hochlager “Ost” auf Moräne (5.000 m)
ca. 250 hm bergauf bis Pass, bis Gipfel zusätzlich 280 hm, 1.000 hm bergab vom Pass bzw. 1.300 hm mit Gipfelbesteigung, 9 Std. Gehzeit
Sehr kalte Nacht, aber trotzdem gut geschlafen. Wir müssen die Zelte abbauen bevor wir Frühstück bekommen und zum Pass hinaufgehen. Die beiden Innsbrucker erklären, nicht auf den Gipfel zu gehen, da es ihnen nicht so gut geht. Die Anderen wollen die Gipfelbesteigung wagen. Ich merke die Höhe, habe aber kein Kopfweh und auch sonst fühle ich mich fit. Bald ist der Saribung-Pass erreicht, 6.000 m. Nach einer kurzen Pause nehmen Bernd und ich den Gipfel in Angriff. Ein Seil und andere Bergsteigerausrüstung ist nicht nötig, die Steigeisen aber hilfreich.
Der obere Teil ist etwa 35 Grad steil, aber ansonsten gibt es keine Schwierigkeiten. Und dann stehe ich ganz allein auf dem Gipfel des Saribung, 6.328 m, und genieße die Aussicht auf den Peri Himal und Himlung Himal – leider ist es kein Aussichtspunkt, dafür ist er zu niedrig, aber trotzdem ist es ein schönes Gefühl, den höchsten Gipfel der Tour und bislang meinen höchsten Berg erreicht zu haben. Bald kommt Bernd nach, wir machen noch Fotos, bis wir wieder absteigen. Die Anderen kommen uns entgegen – aber einige haben massive Höhenprobleme. Wir warten lange am Pass, dort hat sich Helga wegen ihrer Fußprobleme eine “Daunenwärmeanlage” gebaut und lässt sich die Füsse massieren.




Schließlich wird es Zeit, den langen Marsch über den Gletscher in Richtung unseres Zeltplatzes in Angriff zu nehmen. Nachdem Helga wieder Probleme mit ihren Füßen bekommt, schicke ich sie voraus und packe ihren Rucksack noch zusätzlich auf. Das gestaltet sich nicht so einfach und das Gewicht in dieser Höhe macht sich ziemlich bemerkbar. Aber kurz vor den Zelten kommt mir einer der Sherpas entgegen und erbarmt sich meiner. Glücklich und zufrieden erreiche ich das Zelt auf einem richtigen Steinehaufen, wo ich Helga finde, die sich bemüht, ihre Füße warm zu bekommen.




17. Tag: Mittwoch, 28.10.2009
Hochlager “Ost” – Phu (3.980 m)
ca. 1.000 hm bergab, 6 Std. Gehzeit
Weiter geht es Richtung Zivilisation, Vegetation und Wärme. Doch der Weg führt über viele Steine, meist entlang eines steilen Abbruchs zum Fluß. Mehrmals müssen vereiste Flussläufe überquert werden. Es wird immer grüner. Wir erreichen nach einer Wegbiegung Phu, das sich an die Felsen schmiegt. Der Großteil der Gruppe stürzt sich sofort in eine “Kneipe” und lässt sich das Bier schmecken. Einige nutzen die Zeit zum Fotografieren. Unser Zeltlager wird auf der anderen Seite des Flusses aufgeschlagen.







18. Tag: Donnerstag, 29.10.2009
Phu – Meta (3.570 m)
ca. 400 hm bergab, 7,5 Std. Gehzeit
Steil geht es hinunter in eine Schlucht, dann später vorbei an Kyang, dem Winterquartier der Bewohner Phus, dann Chyaco (3.720 m). Wir erreichen Meta. Offensichtlich wird dieser Weiler zu einem Touristenstandort ausgebaut, überall große Bauaktivitäten, neue Lodges und Hütten entstehen. In einer Hütte, die wie eine Alm aussieht, bekommen wir Essen. Übernachten können wir auf dem dazugehörigen Campingplatz.








19. Tag: Freitag, 30.10.2009
Meta – Koto (2.640 m)
ca. 1.000 hm bergab, 5 Std. Gehzeit ohne Pause
Die Vegetation ist reich, vorbei an Wacholderbüschen, begegnen wir immer mehr Menschen. Wir entdecken “Vor-Ort-Sägewerke” – hier wird das Holz gleich dort bearbeitet, wo es geschnitten wird, alles per Hand. Das Holz wird dann mühsam das enge Tal hinaus getragen. Eine unglaublich schwere Arbeit, z.T. muss seitlich gegangen werden, damit der Träger nicht riskiert, in die Schlucht zu fallen.
Entgegen der ursprünglichen Abmachung, unterwegs etwas zu Mittag zu essen, laufen wir durch bis Koto. Hier treffen wir auf einen Strom von Trekkern, die den Annapurna Trail machen. Koto selbst besteht aus schmucken Häusern und einer Reihe von Läden entlang des Hauptwegs. Der mächtige Gebirgsstock des Manaslu ragt im Abendlicht über das Dorf. Wir sind wieder in einem Hinterhof untergebracht.


20. Tag: Samstag, 31.10.2009
Koto – Timang (2.750 m)
ca. 350 hm bergauf, 200 hm bergab, 2,5 Std. Gehzeit
Die heutige Etappe ist gerade mal 2 Stunden lang. Direkt am Haupttrail werden die Zelte dicht an dicht aneinander gereiht. Aber es gibt eine Dusche. Die meisten nutzen die Zeit, um sich und ihre Wäsche zu waschen. Aber der Tag gestaltet sich ziemlich langweilig und alle sind sich einig, dass diese Etappe zugunsten des nächsten Tages länger sein sollte.




21. Tag: Sonntag, 01.11.2009
Timang – Jagat (1.800 m)
ca. 1.450 hm bergab, 9,5 Std. Gehzeit
Der Weg ist nicht zu verfehlen. Die Trekker marschieren wie Perlen an einer Perlenkette den Trail entlang. Dazwischen immer wieder Esel und Pferde. Die Etappe gestaltet sich nochmals als sehr lang.
Spät erreichen wir den Campingplatz hinter Lodge. Die Zelte müssen z.T. schon im Dunkeln aufgebaut werden. Auch das Abendessen bekommen wir erst spät.
In der Nacht zerstört ein Esel unser Toilettenzelt. Trotz Haus sind auch hier die sanitären Anlagen sehr dürfig: Es gibt nur ein kleines Waschbecken und eine Toilette.




22. Tag: Montag, 02.11.2009
Jagat – Nadi Bazar/Ngadi (930 m)
ca. 370 hm bergab, 5,5 Std. Gehzeit
Auf einer schönen Wiese hinter einem netten Restaurant Campingplatz. Wir können im Freien zu Abend essen.




23. Tag: Dienstag, 03.11.2009
Ngadi – Bhulbhule (840 m)
ca. 90 hm bergab, 1,5 Std. Gehzeit
Diese Etappe ist nochmals sehr kurz. Bevor wir eigentlich richtig marschieren, erreichen wir schon unseren Campingplatz in Bhullbule. Dieser ist direkt am Fluss und jeder sehnt sich nach einem Bad. Umso größer ist die Enttäuschung, als wir feststellen müssen, dass die vorhandenen Toiletten total verdreckt und verstopft sind und der Weg zum Fluss durch eine Müllkippe getrennt wird. Da vergeht jedem die Lust auf Waschen. Wieder einmal hängen wir rum, vertreiben uns die Zeit mit einem kleinen Spaziergang durchs Dorf, durch Aufräumtätigkeiten und Schlafen.
Nach dem Abendessen heißt es Abschied nehmen von unserer Begleitmannschaft. Jeder bekommt sein Trinkgeld und ein ganzer Tisch von Ausrüstungsgegenständen, von Schuhen, Jacken, T-Shirts, Lampen wird verlost. Am Schluß ist jeder zufrieden. Auch wir, schließlich ist es die letzte Nacht im Zelt. Jeder freut sich auf eine Dusche und ein weiches, warmes Bett.

24. Tag: Mittwoch, 04.11.2009
Bhulbhule – Kathmandu
Busfahrt ca. 9 Std.
Auf der anderen Seite des Flusses von Bhullbule beginnt die Zivilisation. Bis dort können Busse fahren. Wir laufen über die Brücke zum “Busbahnhof”. Natürlich dauert es, bis das ganze Gepäck verstaut ist und jeder im Bus Platz genommen hat. Aber schließlich geht es auf holpriger Straße Richtung Kathmandu. Allmählich wird zwar die Straße besser, aber wir kommen aufgrund eines langen Staus nur sehr langsam voran. Unterwegs halten wir an einem Restaurant, um etwas zu essen.
Spät erreichen wir das bereits bekannte Shangri-La in Kathmandu und genießen als erstes die ersehnte Dusche. Unglaublich, wie dreckig man sein kann. Richtig zivilisiert und in sauberen Klamotten treffen wir uns im Garten zum Abendessen.
25. Tag: Donnerstag, 05.11.2009
Kathmandu
Nach dem Frühstück gehen wir auf Entdeckungsreise in Kathmandu. Auf dem Programm stehen die große Stupa in Swayambhunath und Pashupatinath. Letzteres ist ein riesiger hinduistischer Tempelbereich, in dem auch Verbrennungszeremonien von Toten stattfinden.




Abschließendes Abendessen im Touristenzentrum Kathmandus. Aus vielen kleinen Schälchen wird serviert, wir sitzen am Boden. Zum Essen schließt sich noch ein Bekannter unseres Führers an, der allein auf Fotosafari in Nepal unterwegs war und dem sämtliche Ausweise und Geld geklaut wurden.
26. Tag: Freitag, 06.11.2009
Kathmandu – Abends: Rückflug über Abu Dhabi nach München
Besuch der Königsstadt Bhaktapur, die 15 km östlich liegt. Historisches Stadtbild, aber vor allem reine Touristenattraktion.


Nachmittags nochmals Touristenzentrum Thamel mit Besorgung der letzten Einkäufe.
Veranstalter: Amical, Preis: 3.650 €

Fazit:
- Wer gerne ausgiebig und über längere Zeit wandert, für den ist diese Mustang-Reise eine tolle Alternative zu den Massentreckings in Nepal
- Akklimationsphase sehr gut durchdacht. Wer besonders am Anfang auf langsames Gehen bedacht ist, wird keine großen Probleme mit der Höhe und v.a. der Passüberschreitung auf 6.000 m haben
- Bergsteigerisch werden keine großen Anforderungen gestellt. Wer trittsicher ist und auch schon mit Steigeisen unterwegs war, hat keine Probleme
- Die Anforderungen an die Kondition sind sehr hoch. Man muss in der Lage sein, täglich 6-8 Stunden zu laufen, und dies auch in der Höhe
- Ansprüche an Essen und sanitäre Anlagen darf man nicht stellen
- 4 Wochen Trecking mit Menschen, die sich ursprünglich nicht kennen, stellen eine hohe Anforderung an die Toleranz. Es ist damit zu rechnen, dass Spannungen spätestens nach 2 Wochen auftreten
- Karge Landschaft, nicht mehr einsam, da auch andere Reiseveranstalter im Internet diese Route durch Mustang gefunden haben und sie entsprechend anbieten. Man sollte damit rechnen, dass man mit mindestens einer weiteren Gruppe diesen Treck macht
- Leistung der Begleitmannschaft war sehr gut. Allerdings hatten wir offensichtlich Pech mit dem Koch, der sehr langweilig kochte, gerne und meist auf Dosen zurückgriff, die bereits von Beginn an mitgebracht wurden, wenig Abwechslung in den Speiseplan brachte, immer wieder kleine Portionen servierte und auf Fleisch fast vollständig verzichtete. Daher ist es auf alle Fälle ratsam, die Ernährung zusätzlich mit Schokoloade, Müsliriegel, Trockenobst u.ä. aufzustocken
- Gute Bergsteiger sind nicht unbedingt gute Gruppenführer. Meines Erachtens war unser Führer eher normales Gruppenmitglied als Führer
- Problematisch wie immer die Trinkgeldfrage. Wir haben uns auf folgendes geeinigt: 20 Träger und 5 Küchenjungen je 30 €, Koch 80 € (wegen schlechter Leistung), 3 Sherpas je 45 €, stellvertretender Obersherpa 70 €, Obersherpa 110 €. Damit insgesamt 1.145 €, d.h. bei 12 Personen fast 100 €. Hinzukommen noch diverse Trinkgelder für Busfahrer, Hotelangestellte usw., so dass pro Person mit 120 € zu rechnen ist. Unser deutscher Führer machte einen höheren Vorschlag, der Veranstalter kalkulierte die Trinkgelder auf 70 – 90 €
- Im Reisepreis enthalten ist das 13 Tage-Permit für 910 $
- Zusätzlich Visumkosten für Nepal über 32 €, die am Flughafen in Kathmandu bezahlt werden