Zum Abschluss der Skitourensaison steht noch ein Leckerbissen an, nämlich die Bündner Haute Route.

1. Tag: Sonntag, 25. April, 1.450 Höhenmeter

Wir starten unterhalb des Julier Hospiz, 2.230 m, am Julierpass. Der Parkplatz ist voll, etliche Skitourengeher kommen uns entgegen. Schwerbepackt mit vollem Rucksack, Kletterausrüstung, Pickel und Steigeisen steigen wir zum Fuorcla d’Agnel, 2.983 m, hinauf. Der Schweiß rinnt in Strömen, es ist unglaublich warum. Nach einer Pause in der Sonne fahren wir etwa 200 Höhenmeter bergab, um von dort den Pix Surgonda, 3.196 m, zu besteigen. Östlich vom Piz Traunter fahren wir hinunter in den Taleinschnitt. Dabei heisst es, vorsichtig zu sein: Der Schnee ist extrem tief. Die Hänge dürfen auf keinen Fall zu weit oben gequert werden. Aber trotz manchem plötzlichem Einbrechen und folgendem Wühlen aus dem Schnee kommen wir wohlbehalten 250 Höhenmeter unterhalb der Hütte an. Nochmals werden die Felle aufgezogen, um die letzten Höhenmeter hinauf zur Jenatschhütte, 2.652 m in Angriff zu nehmen.

Auf der Jenatschhütte werden wir bestens versorgt. Wir stärken uns mit Suppe, Reis mit Curry und Quarkspeise und natürlich jeder Menge Getränke.

Start unterhalb des Julier-HospizBergwelt am JulierpassFuorcla d’AgnelNickerchen am PassBlick zurück zur Fuorcla d’AgnelAufstieg zum Pix SurgondaAufstieg zur Pix SurgondaAbfahrtsfreuden vom Pix SurgondaAufstieg zur JenatschhütteJenatschhütte

2. Tag: Montag, 26. April, 1.400 Höhenmeter

Mit leichtem Gepäck können wir losziehen, da wir heute die Gipfel der Umgebung in Augenschein nehmen wollen. Von der Hütte geht es Richtung Piz d’Err. Dieser lässt sich gar nicht so einfach finden. Wir gelangen zu weit nach Westen unterhalb des Vad. d’Err. Hier ist kein Weiterkommen – es geht steil bergab. Also  etwas zurück und dann rund um den Felsbuckel, bevor es einen steilen Hang zum Gipfel des Piz d’Err, 3.378 m geht. Jeder probiert es anders: mit Harscheisen, die Skier am Buckel, mit Steigeisen, links oder rechts am Hang. Aber irgendwie schafft es jeder bis zum Skidepot. Die letzten Meter sind Felskletterei, die ich verweigere.

Nach einer Brotzeit fahren wir über ein Jöchl ab bis auf eine Höhe von 2.700 m. Die Zeit ist noch viel zu früh für eine Rückkehr zur Hütte. Deshalb ziehen wir die Felle wieder auf die Skier und steigen hinauf zum Tschima da Flix, 3.346 m. Dieser lässt sich bis zum Gipfel mit Skiern besteigen. Bei guten Schneeverhältnissen ist die Hütte bald erreicht. Unsere nassen Felle, Schuhe und Kleidung trocknet in der Hitze schnell, bevor wir bei Gerstensuppe, Braten mit Püree und einem phantastischen Schokoladenkuchen verwöhnt werden.

Wo ist der Piz d’Err?Anstieg zum Skidepot des Piz d’ErrSteiler Anstieg zum SkidepotFelskletterei zum Piz d’ErrBlick vom Piz d’ErrAbfahrt vom Piz d’ErrAnstieg zum Tschima da FlixGipfel des Tschima da Flix

3. Tag: Dienstag, 27. April, 500 Höhenmeter bergauf, 1.400 m bergab

Es ist bewölkt als wir starten. Wir müssen an steilen Hängen unterhalb des Piz Laviner vorbei, bevor es eine lange Abfahrt durch das Val Mulix nach Preda geht. Im Laufe der Abfahrt wird es immer nebliger, Schneefall setzt ein, der weiter unten in Regen übergeht. Bei diesen Bedingungen und vor allem den schlechten Sichtverhältnissen verspürt keiner Lust, noch einen Gipfel zu besteigen. Kurz nach der Alp Mulix ist mit Skifahren Schluß und wir packen die Skier an den Rucksack. So erreichen wir die Bahnstation in Preda, 1.789 m, gegen 1/2 1 Uhr.

Die Rhätische Eisenbahn bringt uns über viele Kreise und mit spektakulären Ausblicken hinunter nach Bergün, 1.367 m. Bereits in Sichtweite unseres Hotels Albula stürmen wir ein Cafe, um Cappucchino und Kuchen zu vernichten. In Bergün ist fast alles geschlossen, selbst die Läden. Aber mit einem einzigen Paar Schuh für die gesamte Gruppe, ausser den Skischuhen natürlich, lässt sich Bier einkaufen und auf dem Zimmer genießen.

Start von Jenatschhütte ins Val MulixQuerungen unterhalb Piz LavinerVal MulixBrückenübergang bei Alp MulixAlp MulixWeg zur Bahnstation PredaRast in Naz vor PredaBahnhof PredaBahnstrecke nach BergünHotel Albula in BergünBergünBergün

4. Tag: Mittwoch, 28. April, 1.580 Höhenmeter bergauf, 700 bergab

Das Taxi steht pünktlich um 1/2 7 Uhr vor der Tür und drängt zum Aufbruch. Es bringt uns weit ins Val Tuors – wir können etwa bis nach Tuors Davant, ca. 1.750 m fahren und sparen uns einen langen Hatscher. Zu Fuß marschieren wir nach Chants. Dort können wir über den Forstweg mit den Skiern zur Alp digl Chants, 1.999 m, aufsteigen. Im Blick den markanten Piz Üertsch laufen wir weit ins Val Plazbi hinein, bevor der Weg nach Osten Richtung Es-cha-Hütte abzweigt. Auf der Fuorcla Pischa, 2.871 m, zeigt sich unser heutiges Gipfelziel, der Piz Blaisun, 3.200 m.

Anfangs mit Skiern, aber bald zu Fuß und mit Eispickel stapfen wir in Günters Fußspuren direkt hinauf zum Gipfel. Der Hang ist weitaus steiler als vermutet und so manches Steilstück ist zu überwinden.

Nach Rückkehr zu unserem Skidepot fahren wir anfangs über herrliche Firnhänge ab. Leider wandeln sich die Schneebedingungen aber bald und wir kämpfen uns durch den bereits bekannten tiefen Sumpf zur Es-cha-Hütte, 2.594 m.

Das Hüttenpaar wartet bereits auf uns – schließlich sind sie extra wegen uns noch einen Tag länger hier geblieben. Wir sind die einzigen Gäste. Auch hier wird wieder ordentlich aufgekocht: Suppe, Salat, Reis mit Geschnetzteltem, Obstsalat mit jeder Menge Nachschlag.

Start nach Taxifahrt im Val TuorsChantsVal Plazbi mit Piz ÜertschKartenstudium bei Alp digl ChantsAufstieg zur Fuorcla PischaSteiler Anstieg zum Piz BlaisunWeiter Ausblick von Piz BlaisunAbfahrtsfreuden vom Piz BlaisunAbfahrt mit Blick auf Piz BlaisunEs-cha-HütteBelagerung der Es-cha-HütteAusblick von der Es-cha-Hütte

5. Tag: Donnerstag, 29. April, 1.600 Höhenmeter bergauf, 1.570 bergab

Bei schönem Wetter geht es hinauf zur Furcla d’Es-cha, 3.002 m. Vorher allerdings müssen wir noch ein Steilstück mit den Skiern am Buckel und mit Hilfe von Ketten und einem selbst gelegten Seil überwinden. Von dort oben sieht man den Aufstieg zum Gipfel des Piz Kesch, 3.418 m. Aber zuerst geht es noch hinunter, dann mit den Skiern über den Gletscher zum Skidepot.

Ausgerüstet mit Seil, Gurt, Steigeisen und Pickel wagen wir den Anstieg auf den Gipfel. Dieser ist über 200 Höhenmeter steil, teilweise ausgesetzt und es gilt, eine 2-er-Kletterei zu überwinden. Aber alle schaffen es und die Freude darüber ist groß!

Nach diesen Mühen genießen wir umso mehr die herrliche Abfahrt bis hinunter auf 2.700 m. Noch viel zu früh für die Hütte. Also ohne Gepäck Aufstieg zur Furcola Viluoch, 2.936 m, wieder hinunter, und noch ein kleines Skitourenrennen hinauf zum Skidepot des Piz Kesch. Danach packen wir unsere schweren Rucksäcke auf den Buckel und ziehen zur Keschhütte, 2.632 m, hinüber. Auch dort sind wir wieder die einzigen und letzten Gäste. Sogar die leckere Nusstorte bekommen wir zum halben Preis und so mancher ist bereits satt, bevor Zucchinisuppe, Püree mit Wurstbraten und Schokocreme aufgetischt werden.

Morgendlicher Start auf der Es-cha-HütteAuf dem Weg zur Furcla d’Es-chaBlick zur Furcla d’Es-chaSteilstück zur Furcla d’Es-chaAbstieg von Furcla d’Es-chaAbstieg von Furcla d’Es-chaKletterei am Piz KeschKletterei am Piz KeschGedrängel am Piz KeschAbfahrtsfreuden am Piz KeschBlick von Furcola ViluochKeschhütte

6. Tag: Freitag, 30. April, 1.550 Höhenmeter bergauf, 1.690 bergab

Heute können wir direkt von der Hütte erstmal abfahren. Zuerst geht es das Val dal Tschuvel, dann das Val Funtauna hinunter. Erst an der Alp Funtauna, 2.192 m kleben wir die Felle unter die Ski und steigen zum Scalettapass , 2.606 m, hinauf. Dort querenwir zum Scalettahorn, um von dort auf den Piz Grialetsch, 3.131 m zu steigen. Aber irgendwie finden wir den Weg nicht und müssen nochmals zurück. Die vorgesehene Aufstiegsroute erweist sich als nicht möglich, da zu viel Geröll liegt. Später ergibt ein Kartenvergleich, dass mittlerweile der Anstieg auf den Gipfel über eine andere Route erfolgt.

Statt Gipfelanstieg genießen wir eine Brotzeit und fahren dann hinunter über Lawinenhänge ins Gletschtälli, ca. 2.300 m. Von dort aus steigen wir hinauf zur Grialetschhütte, 2.546 m. Auch der dortige Hüttenwirt ist noch einen Tag länger geblieben, um uns bewirten zu können mit einer Minestrone, Püree mit Leberkäse in Sauce, Salat und Obstsalat.

Abfahrt von der KeschhütteBlick ins Val FuntaunaBlick vom Scalettapassin der Nähe vom ScalettopassAnstieg Piz GrialetschGeröllanstieg zum Piz GrialetschOberhalb GletschtälliGrialetschhütte

7. Tag: Samstag, 01. Mai, 850 Höhenmeter bergauf, 1.700 bergab

Entgegen aller Vorhersagen ist das Wetter viel besser. Immer wieder ist blauer Himmel zu sehen, dann zieht es wieder zu. Der Schnee allerdings bereits von der Hütte an nicht befahrbar. Immer wieder bleiben wir im Sumpf stecken oder überschlagen uns sogar. Um aus dem Loch rauszukommen, ist nicht selten, Hilfe nötig. Nach der Hüttenabfahrt steigen wir über einen langen Gletscher zum Piz Sarsura, 3.178 m. Die letzten Höhenmeter sind wieder sehr steil und nur zu Fuß begehbar.

Die oberen Hänge sind abfahrtsmäßig wieder ein Genuß. Aber leider ist der Übergang in den tiefen Sulz schnell erreicht und wir müssen wieder sehr aufpassen, um nicht plötzlich festzustecken oder gar das Gleichgewicht zu verlieren. Erst weiter unten sind die Verhältnisse besser und dank Lawinenabgänge können wir bis auf 1.900 m abfahren. Die letzten 200 Höhenmeter Richtung Zernez sind zu Fuß schnell überwunden. Allerdings dauert es dann doch mehr als eine Stunde, bis die Autos vom Julierpass geholt sind.

Grialetschhütte am MorgenPiz Vadretbundner-0188.JPGAbfahrt von der Grialetschhüttebundner-0195.JPGAnstieg zum Piz SarsuraGipfelstürmerGipfelstürmerinnenAbfahrtsproblemeAufstehen ist schwerAbfahrt über LawinenhängeAbfahrt über Lawinenhängebundner-0214.JPGbundner-0215.JPGbundner-0219.JPGbundner-0221.JPG

Teilnehmer: Günter, Benni, Volker, Ralf, Peter, Franz, Trixi

Kosten: ca. 400 Euro


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