Nach den heftigen Schneefällen der letzten Tage ist im Alpenhauptkamm die Lawinengefahr auf Stufe 4 angestiegen und die Wetteraussichten lassen auf keine baldige Besserung hoffen. Also disponiert Jürgen, unser Tourenführer vom SC Aising-Pang kurzentschlossen um: Statt auf das Westfalenhaus im Sellrain geht es auf die Zufallhütte im Martelltal.

1. Tag: 21.02.2009: Zufallhütte – Auf den Vertainen

Nach längerer Anfahrt bei starkem Verkehr auf der Autobahn erreichen wir über den Brenner den Ausgangspunkt am Talschluß des Martelltals. Dort parken bereits viele Skitourenbegeisterte. Mit schwerem Gepäck geht es vom Parkplatz auf 2.051 m, hinauf zur Zufallhütte, 2.256 m.

Parkplatz Talschluß MartelltalAbmarsch Richtung ZufallhütteAufstieg zur ZufallhütteAufstieg zur ZufallhütteAusblick auf Gipfel des MartelltalsUnterhalb ZufallhütteKirchlein bei ZufallhütteZufallhütte

Wir nehmen unser Quartier in Beschlag und nach Brotzeit, Umpacken usw. geht es schließlich gegen 14.00 Uhr Richtung Madritschspitze. Das Wetter trübt rasch ein, ein starker Wind kommt auf. Wieder eine Planänderung: Unser Ziel ist nun der Rücken Auf den Vertainen, 2.740 m.

Die Abfahrt gestaltet sich zu einer Herausforderung: Der Übergang von Pulver auf Bruchharsch und auf windgepresstem Schnee ist übergangslos und führt zu einigen artistischen Einlagen. Wir fahren hinunter bis zum bereits bekannten Hüttenaufstieg, legen nochmals die Felle an und kehren zur Hütte zurück.

ZufallhütteZufallhütte mit Querung Richtung MadritschspitzeAuf den Vertainen - Fertig zur Abfahrt

845 Höhenmeter, 5,9 km, 4:41 h

2. Tag, 22.02.2009: Köllkuppe

Das Wetter ist windig, aber wir sind guter Hoffnung, dass es sich bald bessert.  Wir wollen heute auf die Köllkuppe oder Cima Marmotta, 3.330 m. Der Weg geht Richtung Zufallspitzen. Die Martellerhütte, 2.610 m lassen wir linkerhand liegen und zweigen dann erst Richtung Süden und dann nach Osten hinauf zum Hohenferner ab. Der Wind wird immer stärker. Er reißt uns fast um, die aufgewirbelten Schneekristalle fühlen sich im Gesicht schmerzhaft an. Alles, was wir dabei haben, wird angezogen und trotzdem zeigen so manches Ohr oder Nase weiße Erfrierungsflecken. Die Sicht ist miserabel und so treffen wir den Gipfel der Köllkuppe nicht. Es fehlen wohl noch ein paar Höhenmeter. Ich versuche noch einen Nebengipfel zu ersteigen, muss aber bald aufgeben: Der Wind wirft mich einfach um.

Die anderen fellen inzwischen ab und rüsten sich für die Abfahrt. Beim Versuch, die Felle abzuziehen, reißt der Wind Ralph das Fell aus den Händen und er kann nur hilflos zusehen, wie es davonfliegt. Wir fahren mit Hilfe des GPS den Hohenfenner ab und queren dann zur Marellhütte, 2.610 m – noch einmal müssen wir dazu die Felle anlegen. Ralph quält sich mit einem Fell hinauf. Der Wind hat Kraft gekostet und alle sind froh, sich auf der Hütte ins Warme zu retten, Cappucchino zu trinken oder eine heiße Suppe zu essen.

Überraschenderweise treffen wir dort Roswitha, die mit ein paar anderen des Vereins eine größere Durchschreitung des Ortlergebiets vorhat. Nach kurzer Pause geht es von der Hütte über eine gut eingefahrene Piste zu unserer Unterkunft.  Das war abfahrtsmäßig das beste Stück des Tages, ansonsten erinnern die Verhältnisse an den Vortag.

Aufstieg Richtung KöllkuppeAufstieg Richtung KöllkuppeHohenfernerEisiger Wind am HohenfernerUmziehpause am HohenfernerUmziehpause am HohenfernerMartellerhütteKurzer Gegenanstieg Richtung Zufallhütte

1.280 Höhenmeter, 14,5 km, 7:53 h

3. Tag, 23.02.2009: Madritschspitze

Unsere Gedanken konzentrieren sich natürlich wieder aufs Wetter: Schaut doch gar nicht so schlecht aus. Wir wollen heute endlich einen Gipfel schaffen, nämlich die Madritschspitze, 3.265 m.

Ich laufe etwas vorneweg, bin bald ganz allein. Die Orientierung fällt schwer und nachdem ich niemanden mehr kommen sehe, entschließe ich mich, den anderen entgegen zu fahren. Tatsächlich, etwa 300 Höhenmeter unter meinem Umkehrpunkt sind sie bereits rechts abgebogen. Das hat mir die Karte nicht verraten. Viele andere Gruppen kann ich überholen, erreiche meine Gruppe und schließe zu den Spurenden auf. Gemeinsam erreichen wir das Skidepot. Doch während meine Mitstreiter noch auf ihre Kameraden, die kurz hinter ihnen sind, warten,erklimme ich den Gipfel und kann von dort aus das Skigebiet der Schaubachhütte erkennen.

Ich fahre den anderen entgegen und gemeinsam besteigen wir den Gipfel, mittlerweile allerdings komplett im Nebel.

Auf der Hütte wartet bereits Roswitha, die sich krankheitsbedingt uns anschließt. Iris und Gabi “wellnessen” noch in der Sauna, bevor wir uns mit dem erstklassigen 3-Gänge-Menü stärken.

Einsame Gipfelbesteigung der MadritschspitzeBlick ins Skigebiet der SchaubachhütteGipfelerfolg MadritschspitzeGipfelerfolg MadritschspitzeAbfahrt zur ZufallhütteAbfahrt zur ZufallhütteAbfahrt zur Zufallhütte
Die Models Iris und Gabi nach Sauna

1.120 (+500) Höhenmeter, 13,5 km, 6:47 h

4. Tag, 24.02.2009: Lyfispitz

Die Rucksäcke werden voll gepackt und früh, bereits um 8.00 Uhr geht es hinunter zum Auto. Die 2 Kilometer zum Ausgangspunkt am Zufritthaus, 1.880 m, fahren wir. Der Weg führt gleich steil hinauf Richtung Lyfispitz, 3.338 m. Anfangs durch Wald, später über endlos lange Hänge zieht sich die Spur. Diese ist streckenweise nur schwer zu erkennen. Der immer wieder starke Wind und die teilweise schlechte Sicht machen auch heute die Orientierung nicht einfach. Nach 2 1/4 Stunden erkenne ich den Gipfel etwa 100 Höhenmeter über mir. Doch der Hang ist sehr steil und von Felsen durchsetzt. Das mach ich nicht allein! Also Felle ab und hinunter zu den anderen, die ich auf 2.500 m treffe. Wir marschieren noch zu einem Absatz 100 m höher, machen Brotzeit, z.T. sogar in der Sonne und wagen uns dann auf eine abenteuerliche Abfahrt. Die bereits bekannten Schwierigkeiten mit dem permanenten Wechsel der Schneearten können uns nichts mehr anhaben, aber wir freuen uns über jeden Pulverschneeschwung im Wald.

Noch ein kurzer Einkehrschwung im Zufritthaus und ab geht es nach Hause über den Reschenpass.

Aufstieg zur Lyfispitz“Gipfelrast”An der LyfialmLyfialmLyfialmLyfialmSprung über BachSprung über BachSprung über BachRettungsaktionRettungsaktionWaldabfahrtWaldabfahrtWaldabfahrtJürgen und Ralph beim Tourausklang

900 (+600) Höhenmeter,

Teilnehmer: Jürgen, Gabi, Iris, Christa, Ralph, Roswitha (letzter Tag)