Mo 1 Sep 2008
Transalp: Oberstdorf – Laas in Südtirol
Gebloggt von Angela unter MTB/Rennrad
1. Tag, 01. September 2008
Carola und ich treffen uns um 9.00 Uhr am Hauptbahnhof München. Mit dem Bayernticket fahren wir mit unseren Bikes für 38 Euro bis nach Oberstdorf (Ankunft: kurz vor 12.00 Uhr). Dort startet unsere Transalp Richtung Süden.
Den Wegweisern in Oberstdorf, 813 m, Richtung Krankenhaus, Heimatmuseum und Skisprungschanze folgend gelangen wir direkt über den Wanderweg Via Alpina nach Faistenoy. Von dort geht es zuerst auf der Teerstraße nach Birgsau und dann weiter auf der Forststraße hinein ins Rappenalptal. Wir fahren bis unterhalb der Unteren Biberalpe, 1.310 m. Dort zweigt ein Forstweg nach links Richtung Biberkörb ab. Nach wenigen Metern treffen wir auf eine Schranke mit einem verrosteten Schild “Fußgänger verboten”. Wir fahren bis zum Ende des Forstwegs, treffen dort auf einen netten Senner, der uns den Weg zur Mittleren Biberalpe, 1.678 m beschreibt. Ab jetzt schieben wir über Almwiesen. Die seltsamen Gestalten auf der Mittleren Biberalpe sind sehr unfreundlich und wollen offenbar keine Biker auf “ihrem” Gelände haben. Wir lassen uns aber nicht aufhalten und schieben steil hinauf Richtung Salzbücheljoch, 1.800 m. Dieser Weg ist eine völlig ungefährliche und landschaftlich sehr schöne Umfahrung des ausgesetzten Schrofenpasses. Dank der Beschreibung von GPS-Tour (leider nicht mehr vorhanden) war es uns ein leichtes, diesen alten Schmugglerpfad zu finden.
Auf der anderen Seite geht es hinunter auf einem Waldweg – für uns das meiste zum schieben und tragen – später dann auf steilem Forstweg zum Holzgauer Haus, 1.517 m, bevor wir auf der Teerstraße über Warth nach Lech, 1.444 m brausen können. Die Mautstraße von Zug bis zur Formarinalpe, 1.871 m, ist schnell gefunden. Da diese bereits geschlossen ist, stoßen wir auf nur wenig Gegenverkehr durch die verkehrenden Wanderbusse. Auf der rechten Seite des Formarinsees führt uns die Forststraße hinauf zur Freiburger Hütte, 1.931 m. Dort beenden wir unseren ersten MTB-Tag gegen 18.00 Uhr und vernichten eine große Portion Spagetti.
Auf der Hütte treffen wir 3 weitere Biker-Mannschaften mit jeweils 2 Männern. Dieses sind Studenten aus Rheinland-Pfalz und Regensburg sowie gesetzteren Männern aus Lenggries. Es stellt sich heraus, dass wir am nächsten Tag alle dieselbe Route fahren wollen zur Heilbronner Hütte.
1.850 Höhenmeter
47 Kilometer
2. Tag, 02. September 2008
Das Frühstück für 9 Euro besteht aus 3 kleinen Scheiben Brot und etwas Käse und Wurst. Da bin ich mit meinem Müsli für 7,50 Euro besser dran. Wir mokieren uns ein wenig darüber, dass das Frühstück teurer ist als die Übernachtung. Aber es lässt sich nicht ändern.
Der Weg führt zuerst über einige Meter Schotterstraße bis zum Rauher Staffel, 1.827 m. Ins Tal führt ein steiler, rutschiger Wanderweg, der sicherlich von so manchem Downhiller komplett gefahren werden kann. Wir entscheiden uns für eine Mischung aus Fahren und Schieben bevor der Weg in eine herrliche Schotter-, später Teerstraße mündet, die uns hinab nach Dalaas, 835 m bringt. Direkt gegenüber der Einmündung in die Hauptstraße beginnt der Weg durch schattigen Wald und mit Blicken auf unsere letzte Abfahrt hinauf zum Kristbergsattel, 1.484 m. Dort treffen wir auf die Regensburger, die offenbar ohne Karte unterwegs sind und den Weiterweg nicht wissen.
Kurze Rast und Weiterfahrt nach Innerkristberg und hinein ins Silbertal. Ein langer Höhenweg mit schönen Ausblicken führt tief hinein ins Tal. Wir fahren hinunter zum Hasahüsli, gönnen uns eine kurze Brotzeit, bevor es wieder bergauf geht. Gleichmäßig steigt die Forststraße bis hinauf zur Unteren Freschalpe, 1.570 m. Kurz danach ist die Fahrstraße zu Ende und geht in einen Wanderweg über, der sich bis zur Oberen Freschalpe, 1.890 m hinauf zieht. Danach ist endgültig Schieben angesagt, da der Untergrund sehr steinig und morastig ist. Nach dem Silbertaler Winterjöchle, 1.945 m ist der Fußmarsch zu Ende. Wir fahren auf der Forststraße nach unten, um auf den Forstweg auf der anderen Seite des Flusses Rosanna im Schönverwalltal zu kommen. Auf der Schönverwallhütte, 2.007 m mündet dieser in einen Wanderweg, der zunehmend steiler hinauf zur Heilbronner Hütte führt. Erst die letzten Meter zur Hütte lassen sich wieder fahren.
Kurz nach uns treffen Hans und Christian, die Lenggrieser auf der Hütte ein, während die Studenten aus der Pfalz erst 2 Stunden später ankommen. Von den Regensburgern fehlt jede Spur. Die Pfälzer erzählen, dass sie beide am Hasahüsli gesehen hätten, wie sie ins Tal hinunter, statt ins Silbertal hinauf gefahren sind.
Die Hütte bietet jeden Komfort, sogar die Duschen sind kostenlos. Wir finden Platz im Lager.
2.100 Höhenmeter
47 Kilometer
3. Tag, 03. September 2008
Nach einem Bikerfrühstück mit Müsli und frischem Obst starten wir um 7.00 Uhr, um auf der Schotterpiste hinunter zum Kops-Stausee, 1.809 m, zu fahren. Übers Zeinisjoch, 1.842 m ist Galtür und Ischgl, 1.376 m schnell erreicht. In der Bäckerei treffen wir Hans und Christian, die vor uns gestartet sind, bei ihrem Frühstück. Auch wir gönnen uns etwas Süßes und einen Cappucchino.
Gut beschildert finden wir schnell die Teerstraße Richtung Heidelberger Hütte. Für uns geht es auf der Pardatschalpe, 1.665 m nach links auf der Teerstraße weiter zur Idalpe, 2.308 m, während Hans und Christian über die Heidelberger Hütte und den Fimberpass fahren. Aber Carola mit ihrem erst kürzlich gebrochenem Fuß möchte längere Tragestrecken möglichst vermeiden. Von der Idalpe führt ein steiler Schotterweg bis hinauf zum Viderjoch, 2.732. Ein grauenhaftes Gebiet, das durch den Ausbau zum Silvretter Skizentrum stark gelitten hat. In einer ebenso umgestalteten Landschaft führt uns der Weiterweg hinab zur Alptrider und auf der Forstraße nach Compatsch im Samnaun, 1.715 m.
Auf der Bundesstraße fahren wir zur Spissermühle und rechts vom Schergenbach das Val da Tschera (mit etlichen unbeleuchteten Tunnels) bis Martina und Strada. Dort treffen wir auf einen gut ausgeschilderten Radweg links neben dem Bach und der Straße durch den Wald – später sogar mit Holzbildhauerarbeiten. Auf diese Weise erreichen wir vor 15.00 Uhr Sur-En, 1.112 m und beginnen, ein Quartier zu suchen. Das erste ist gleich voll. Der Chef dort vermittelt uns an seine Mutter, die uns ein Zimmer für 100 SFr vermietet. Auf unsere Frage nach Frühstück teilt sie uns mit, dass der Preis ohne Frühstück sei, wir aber am Campingplatz einkaufen könnten.
Also zu diesem Kiosk. Dieser ist schlecht sortiert und bekommt erst am nächsten Morgen ab 8.00 Uhr Brot. Ich ärgere mich über sehr über die ungewohnte, nicht vorhandene Servicebereitschaft der Wirtin und des Betreibers des Campingkiosk. Der Gedanke an eine Weiterfahrt keimt auf. Carola telefoniert mit der Sesvennahütte. 1.500 Höhenmeter und 75 Kilometer stecken uns bereits in den Beinen, vor uns liegt die Uina-Schlucht mit 1.000 Höhenmeter und mindestens 3 Stunden.
Um 16.00 Uhr geben wir den Zimmerschlüssel zurück und fahren weiter. Die Pfälzer sind mittlerweile auch in Sur-En angekommen. Auf einem breiten Wanderweg fahren wir entlang dem Uina-Fluß hinauf zur Uina Dadaint, 1.772 m. Danach wird der Weg schmal, wir können den Weiterweg durch die Schlucht, der in dem Fels herausgeschlagen wurde, bereits erkennen. Der Weg selbst ist gut gesichert und bei diesen guten Bedingungen gut machbar. Ein beeindruckendes Erlebnis, die Uinaschlucht mit dem MTB zu begehen. Gegen 18.30 Uhr erreichen wir das Ende der Schlucht auf 2.157 m. Auf z.T. befahrbaren Wegen geht es noch über den Schlinigpass, 2.299 zur Sesvenna Hütte, 2.258 m, die wir um 19.20 Uhr tief im Nebel erreichen. Die Pfälzer sind gleich danach da, Hans und Christian lassen es sich bereits gut gehen. Aber auch wir bekommen noch eine große Portion Makkaroni und gönnen uns nach diesem langen Tag eine Dusche.
2.700 Höhenmeter
90 Kilometer
4. Tag, 04. September 2008
Die Sesvenna Hütte verbirgt sich weiter im Nebel. Alles ist nass. Nach unserer gestrigen langen Tour schlafen wir lange, bevor wir die Reste des Frühstücks mit vintschgerl, Marmelade, Schinken und Käse zusammen kratzen. Um 1/2 9 Uhr verlassen wir so ziemlich als Letzte die Hütte und fahren auf anfangs sehr steiler Forststraße, später flacher Teerstraße hinunter nach Schlinig. Dort können wir rechts neben der eigentlichen Fahrstraße auf Teer und Schotter nach Schleis fahren. Dieses Dorf lassen wir links liegen und kommen über einen ausgeschilderten Radweg über Laatsch nach Glurns, 907 m. Dieses Städtchen ist voller Radfahrer und bietet eine nette Kulisse. Bei einem Cappucchino ändern wir unser ursprüngliches Ziel Comer See in Meran im Südtirol ab. Lieber Biken als Zugfahren!
Auf Radwegen kommen wir nach Taufers, Müstair mit seinem großen Schloss und nach St. Maria. Kurz nach St. Maria biegen wir nach rechts auf einen Schotterweg ins Val Vaur ab. Heftiger Wind bläst uns auf der Alp Clastra fast vom Fahrrad, die Temperaturen sind eisig, die Landschaft fast menschenleer und imposant. Am höchsten Punkt mit 2.234 m treffen wir auf einige Biker.
Ein herrlicher Weg, zuerst Schotter, dann Singletrail oberhalb des Flusses führt und durch das Val Mora. Obwohl der Himmel wolkenverhangen ist, kommen wir ohne Regen zum Lago di S. Giacomo – di Fraele. Dort finden wir ein einfaches Quartier.
1.700 Höhenmeter
60 Kilometer
5. Tag, 05. September 2008
Es regnet! Wir ziehen uns wetterfest an, fahren entlang des Stausees bis zur Staumauer. Diese überqueren wir. Vorbei am Rifugio Val di Fraele geht es weiter über eine Schotterpiste entlang des Lago di Cancano bis zum Rifugio Solena. Schließlich mündet diese Forststraße an der Stilfserjochstraße oberhalb von Bormio auf 1.556 m ein. Trotz Regen entschließe ich mich für leichte Bekleidung. Lange zieht sich die Straße hinauf zur Abzwiegung zum Umbrailpass, 2.586 m und schließlich zum Stilfser Joch, 2.758 m. 4 Grad lassen uns trotz dicker Kleidung frieren, aber Suppe und Latte Macchiato wärmen von innen. Mittlerweile hat es zu regnen aufgehört. Jede Menge Motorradfahrer und Radler jeglichen Alters kommen von der anderen Seite herauf.
Die Abfahrt hinunter über Franzenshöhe, 2.189, Trafoi und Spondinig, 887 m, ist ein wahres Vergnügen. Von Meter zu Meter wird es wärmer und sonniger. Um die Zugverbindungen zu klären, fahren wir nach Laas, 832 m, das wir gegen 15.00 Uhr erreichen.
1.300 Höhenmeter
64 Kilometer
Um unser Zuhause noch heute zu erreichen, springen wir auf den nächsten Zug nach Meran. Von dort geht es über die Etappen Brenner, Innsbruck nach Rosenheim und für Carola weiter nach München. Leider ist die Bahn alles andere als fahrradfreundlich: Statt den direkten EC nehmen zu können, müssen Radler die Regionalzüge nehmen und entsprechend oft umsteigen. Eine Fahrkarte für alles gibt es ebenfalls nicht. Für jede Strecke ist vielmehr ein einzelnes Ticket nötig! Und wichtig: dieses sollte über die Automaten, die nicht immer funktionieren, besorgt werden, da die Schaffner angehalten sind, im Zug keine Tickets zu verkaufen. Nur gut, dass die Schaffner nicht immer den Anweisungen ihres Managements folgen, sondern im Interesse des Kunden ab und zu ein Auge zudrücken. Sonst hätten wir Probleme mit der Fahrkarte Kufstein – Rosenheim bekommen!
Gegen 22.00 Uhr erreiche ich mein Zuhause.
Es war eine grandiose Alpenüberquerung mit vielen verschiedenen Landschaften. Die Uinaschlucht sollte man sich keineswegs entgehen lassen und auch die Alp Mora ist einen Besuch wert.
Gesamt
Kosten: € 250
Höhenmeter: 9.650 m
Kilometer: 308 km
Radroute 80385 – powered by Bikemap
