So 17 Aug 2008
Sonneck im Wilden Kaiser
Gebloggt von Angela unter Berge
Endlich verspricht der Wetterbericht einen sonnigen Tag. Wir fahren deshalb nach Kufstein zur Kaiserwacht, 496 m. Dort lassen wir auf einem entgeltpflichtigen Parkplatz unser Auto stehen – so wie bereits viele Wanderer auch. Mit dem MTB geht es zuerst über Stufen hoch hinauf, dann auf Teer und Forststraße weiter – offiziell für Fahrräder gesperrt – über eine herrliche Strecke oberhalb des Kaiserbachs mit Ausblicken auf Kufstein, aber auch in die Schlucht, nach Hinterbärenbad, 831 m. Auch 2 Tunnel, herausgehauen aus dem Stein, gilt es zu durchfahren.
Am Hans-Karg-Haus am Hinterbärenbad lassen wir die Räder stehen und beginnen unseren Aufstieg auf das Sonneck, 2.260 m. Anfangs führt der Weg parallel zum Kaiserbach, bevor er nach Süden hinauf abzweigt. Nach Überquerung eines Bachs kommen wir an eine Querung über einen steilen Sandhang. Dort ist der Weg mit Holzbalken und einem Stahlseil versehen. Die Holzbalken sind aber durch die starken Regenfälle der letzten Wochen und Tage stark unterspült worden und hängen teilweise in der Luft bzw. große Löcher sind entstanden. Ich halte mich am Seil fest und komme gut darüber. Auf der anderen Seite angelangt, schaue ich mich um und sehe zu meinem großen Erschrecken, dass Wölfi an einem Balken in der Tiefe hängt. Der Wanderer, der mich gerade passiert hat, steht unter ihm. Was ist passiert?
Als Wölfi beim Überqueren sich am Seil festhalten will, reißt dieses mit seiner Verankerung auf seiner linken Seite aus. Er verliert das Gleichgewicht, hält sich aber weiterhin am Seil fest. Ein Bein ist unten in der Tiefe, das andere über dem Holzbalken. Geistesgegenwärtig ist der Mann, der ihm kurz vorher noch gegenüber stand, unter ihn geklettert und schiebt ihn nach oben. Bevor Wölfis Kräfte in den Armen schwinden, gelingt es ihm mit dieser tatkräftigen Unterstützung, sich nach oben zu ziehen und aus seiner mißlichen Situation zu befreien. Die Freude ist groß. Erst später wird uns klar, wie gut und umsichtig der Fremde gehandelt hat. Ein Rätsel bleibt uns, wie er auf diesem steilen Hang Halt finden konnte und die Kraft aufbrachte zum Schieben. Er war offensichtlich nicht nur konditionsstark – er scheint fast täglich aufs Sonneck zu laufen – sondern auch bärenstark in den Armen. Wölfi hatte ein Riesenglück, in diesem Moment auf so einen Helfer zu stoßen. Ein anderer Wanderer, der kurz vor uns war, ein kräftiger und großer Mann, hat dagegen nur tatenlos zugesehen und auch nicht die geringste Hilfsbereitschaft erkennen lassen, als ich versuchte, Wölfi über den Balken zu ziehen.
Herzlichen Dank an dieser Stelle an unseren unbekannten Helfer und Retter!
Der weitere Anstieg verlief lange durch Waldgelände, später zunehmend felsigem Gelände, das immer wieder mit steilen, felsigen und z.T. rutschigen Passagen versehen war. Um eine Kante herum geht es ins Gamskar. Dieses trägt seinen Namen zu recht: Wir konnten etwa 20 – 30 Gemsen, inkl. Jungtieren beobachten. Kurze Rast und weiterer Anstieg hinauf zum Sonneck. Ursprünglich wollten wir eigentlich auf den Gamskar-Kopf, 2.042 m, aber dort führt kein Weg hinauf. Nachdem ich den Gipfel dieses Berges längst unter mir lasse und erkenne, dass sich der Weg zum Sonneck noch länger hinzieht, beschließe ich etwa 75 Höhenmeter unter dem Gipfel den Rückweg anzutreten und W. entgegen zu gehen, der weiter unten wartet.
Der Rückweg erfolgt auf dem gleichen Weg wie der Anstieg. Eine große Herausforderung stellte die Überwindung der Absturzstelle dar. Wir waren sehr erleichtert, als wir diese gemeistert haben.
