Do 24 Apr 2008
Als Höhepunkt dieser Saison ist eine Reise in die Türke, genauer in das wilde Kurdistan vorgesehen, um den Berg Noahs, den Ararat (5.165 m) mit Skiern zu besteigen und abzufahren. Seit einigen Jahren erst ist dieser Berg nach den Auseinandersetzungen mit den Kurden wieder für Touristen geöffnet. Deshalb bieten mittlerweile praktisch alle Reiseveranstalter mindestens eine Reise auf den Ararat an. Mir erschien vor allem die Möglichkeit, diesen Berg per Skiern zu besteigen, sehr attraktiv, spart man sich doch den “Runterhatsch”. Die Aussagen über die Schneebedingungen waren den ganzen Winter sehr positiv – angeblich wäre sogar mehr Schnee als bei uns.
Diese Aussage lässt sich nicht überprüfen. Vielleicht hat tatsächlich die Sonne innerhalb kürzester Zeit den Schnee weg geschleckt. Fakt ist, dass die erträumten, spurlosen, weiten Schneehänge sich als Schneerinnen herausstellen, die einen starken Sandbelag aufweisen. Dieser ist so aggressiv, dass er vorhandene Rillen im Belag besser als jede Schleifmaschine abfräst. Die Skifahrerfreuden beschränken sich insgesamt auf wenige Höhenmeter direkt unterm jeweiligen Gipfel. Und der Anmarsch muss über lange Zeit mit den Skiern am Buckel oder auf den Rücken der Pferde am Ararat erfolgen. Aufgrund dieser Bedingungen gestalten wir die erste Akklimatisationstour auf den Mt. Artos, 3.537 m als Wandertour mit Studium der vielfältigen Flora.
Mein Eindruck ist, dass unser türkischer Reiseveranstalter die Dinge nicht immer so darstellt, wie meiner Meinung nach richtig gewesen wäre, sondern viel eher Märchen erzählt. So sollte auch der Anstieg zum Artos über ein Skigebiet erfolgen, dessen wir nie angesichtig wurden. Für mich bleiben daher diese Bilder charakteristisch für Skitouren im Taurusgebirge:
Reiseverlauf:
1. Tag:
Flug mit Turkish Airlines von München nach Istanbul. Dort Abholung und Einquartierung im Hotel. Selbständiges Erkunden Istanbuls von Hotel aus. Empfohlenes Restaurant war nicht gut, aber teuer.
2. Tag:
Früh Weiterflug nach Van am Vansee im Osten der Türkei. Nach Check-In Busfahrt nach Gevas. Tommy und ich machen kurzen Ausflug in dieses Dorf und werden im Nu von den dortigen Schulkindern umringt. Mit dem Schiff geht es zur Insel Akdamar mit der berühmten armenischen Kirche aus dem Mittelalter. Mit dem Schiff wieder zurück, dabei eingehendes Studium unser morgendlichen Skitour. Direkt am Strand gutes Essen.
Abends noch Ausflug auf die Van Burg, wenngleich ohne Sonnenuntergang.
3. Tag:
Mit 3 Minibussen geht es auf der bereits bekannten Strecke wieder nach Gevas. Allerdings biegen wir kurz vorher links ab und fahren an den Berg. Weit und breit kein Schnee. Wir beschließen, die Turnschuhe statt der Skischuhe anzuschnallen und mit leichtem Gepäck, also ohne Skiausrüstung auf den Mt. Artos, zu steigen. Die Österreicher, eine Gruppe des Tourismusvereins Wien machen die vorgesehene Skitour. Leider haben wir diesiges Wetter, so dass aus dem erwarteten Fernblick über den Vansee nichts wird. 5 Österreicher trennen sich von ihrer Gruppe und fahren zum Ärger von Yüksel, dem Veranstalter, selbständig zum gestrigen Restaurant ab. Das stellt sich aber erst heraus, als wir und die restliche Gruppe nach der Bergtour gemütlich in einem schattigen “Biergarten” bei Hammel, Huhn und Schaf sitzen.
Weiterfahrt nach Erics.
4. Tag:
Frühmorgens Weiterfahrt zum Dorf Kiskili, Ausgangspunkt für unsere Skitour auf den Mt. Süphan, 4.058 m. Auch hier erst weit oben Schnee in Sicht. Mehr als 1 Stunde Skitragen durch blühende Wiesen und über sandige Wege. Die Höhe macht den ersten Teilnehmern zu schaffen, aber alle erreichen den Gipfel.
Weitere Übernachtung in Erics. Abendessen in alkoholfreiem Restaurant in Ahlat. Dauerte zwar lange aufgrund der großen Gruppe, aber schmeckte gut. Außerdem waren wir Zeuge der Fußballbegeisterung (Autotorso, Feiern auf den Straßen) der Türken, auch wenn es offenbar nur 2 befreundete Mannschaften sind.
5. Tag:
Weiterfahrt über Muradiye Wasserfall nach Dogubayazit, dem Ausgangspunkt für die Araratbesteigung. Allerdings werden unsere Fahrzeuge vor dem Wasserfall gestoppt: Die Fahrer verfügen nicht über die richtigen Papiere. Es wird ihnen untersagt, weiterzufahren. Stattdessen müssen sie in die nächstgrößere Stadt fahren und am Polizeirevier halten. Dort beginnt für uns eine mehrstündige Wartezeit, die wir mit dem Erkunden der Stadt, Ratschen und Ausruhen überbrücken. Nach rund 2 1/2 Stunden kommt ein großer Bus aus Van, der uns zu den Wasserfällen bringt. Dort gibt es die Möglichkeit für ein Mittagessen, dann herrliche Fahrt durch eine vulkanische Gegend nach Dogubayazit. Immer wieder Militär und Kontrollen.
Nachdem Tommy seit dem Tee mit Schäfern am Mt. Artos nichts mehr im Magen behalten kann und deutlich an Gewicht und Kraft verliert, legen Helga und er eine Infusion.
6. Tag:
Nach einem gemütlichen Frühstück und Infusion für Tommy geht es hinauf zum Dorf Eli, 2.100 m. Das Gepäck wird auf die Pferde geladen und wir lassen uns Zeit für den Aufstieg ins Basislager, 3.300 m. Dort sind die Zelte bereits aufgestellt und in den Küchenzelten gibt es bald Tee und Kekse. Beim Start war noch gutes Wetter, aber es zieht immer mehr zu und schneit auch ein wenig. Nach einem frühen Abendessen sind wir bereits um 18.30 Uhr im kuscheligen Schlafsack.
7. Tag:
Noch ein Akklimationstag und Ausruhtag. Der nicht vorhandene Schnee ermöglicht es, die Skier auf die Pferde zu schnallen und das Hochlager auf 3.900 m aufzuschlagen. Gemütlich marschieren wir die 600 Höhenmeter zur Schneegrenze hinauf. Dort schaufeln wir uns unsere Zeltplätze – auf dieser Höhe ein wenig anstrengend – und machen kleinere Spaziergänge in die nächste Umgebung. Das Abendessen findet im Freien statt. Schnell wird es kalt und der geplante frühe Aufbruch morgen lässt uns bald im Zelt verschwinden. Die Nacht ist warm und ein Gewitter zieht über uns hinweg.
8. Tag:
Um 1/2 3 Uhr ist Aufbruch. Direkt von den Zelten aus können wir mit Fellen gehen. Brigitte zieht vorneweg die Spur durch die Dunkelheit. Aber schon bald ist es hell und das Skidepot gegen 8.00 Uhr auf etwa 4.500 m erreicht. Weiter geht es zu Fuß hinauf zum Gletscherplateau auf 4.900 m. Dort schnallen wir die Steigeisen an, da uns hier aufgrund des vielen Windes Blankeis erwartet. Aber der Anstieg ist relativ flach und der Gipfel daher technisch ohne Probleme zu erreichen. Um 10.00 Uhr stehen wir glücklich auf dem höchsten Gipfel der Türkei, dem Berg Noahs. Das Wetter ist gut, wenngleich uns ausgerechnet am Gipfel die Wolkendecke die Sicht ins Tal versperrt.
Die Höhe forderte ihren Tribut: Hanne war leider durch ihr Asthma gezwungen, am Skidepot umzukehren, obwohl sie sich so gut vorbereitet hatte. Helga ging es beim Abstieg ziemlich schlecht, aber sie hat sich tapfer hinunter gekämpft.
Vom Skidepot können wir zu den Zelten abfahren. Leider ist die Sicht mittlerweile sehr schlecht und das Licht so diffus, dass wir nur vorsichtig abfahren können. Die vorgesehene Ruhezeit am Hochlager muss ausfallen, da das ganze Lager bereits abgebaut wird. Also packen auch wir unsere Sachen zusammen. Über eine Rinne können wir fast bis zum Basislager abfahren. Dort eine kleine Rast, Verladung der Skiausrüstung auf die Pferde, Schuhwechsel und Abstieg zu Fuß ins Tal. Oberhalb von Eli – dieses “Dorf” besteht nur aus 2 Häusern – machen wir noch eine ausgiebige Rast und genießen die Sonne und die Aussicht.
Mit den Minibussen geht es zurück zum Hotel in Dogubayazit.
9. Tag:
Nach unserer geglückten Gipfelbesteigung können wir uns jetzt richtig ausruhen. Tommy und ich nutzen die späte Weiterfahrt zu einem Besuch in dem zu Fuß etwa 1-stündig entfernten nächsten Dorf, nachdem wir uns immer gewünscht haben, durch ein Dorf zu schlendern und zu fotografieren. Im Nu hat uns ein englisch sprechender Türke entdeckt, der sich uns als Reiseführer andient. Das ist auch sinnvoll, gehen die Hunde auf uns Fremde doch gleich los. Besonders groß ist unsere Freude, als wir einen Storch mit Jungen in seinem Nest mit Hintergrund Ararat entdecken. Langsam läuft uns allerdings die Zeit davon. Unser Führer, auch er bietet Touren auf den Ararat an und übergibt uns seine Visitenkarte, versucht noch den Bus nach Dogubayazit aufzuhalten, aber zu spät. Macht nichts. Ein Laster mit Laderampe kommt vorbei, wir steigen auf und ab gehts auf die große Straße. Er holt den Bus ein und wir steigen zusammen mit unserem Führer um. Im Nu sind wir im Hotel.
Bevor es zurück nach Van geht, machen wir noch einen Abstecher zum Ishak Pasa Palast, einem osmanischen Palast aus dem 17. Jahrhundert, der als einer der schönsten Paläste des osmanischen Reiches gilt. Wir haben noch genügend Zeit und können die dazugehörige Stadt besichtigen. Meine Suche nach Diafilmen scheitert leider, es gibt überall nur noch digitale Kameras oder bestenfalls Papierfilme.
Schließlich geht es mit dem Bus nach Van, wo wir im bereits bekannten Hotel wieder einchecken. Nach einem Bummel durch die Stadt Abendessen in der Nähe des Hotels.
10. Tag:
Wir fliegen zurück nach Istanbul. Nachmittags besichtigen wir mit einer Führerin die wichtigsten Punkte dieser Stadt am Bosporus: Ayasofya, Blaue Moschee und Topkapi Sarayi. Istanbul ist auf alle Fälle eine eigene Reise wert – den Spuren der Vergangenheit als Byzanz und Konstantinobel sollte man eigens nachgehen, um ein Gefühl für die Geschichte dieser Stadt zu entwickeln.
11. Tag:
Rückflug nach München
Reisedaten und persönliche Eindrücke:
Teilnehmer: Brigitte (Organsiatorin der Tour), Christian, Hanne, Helga, Ruppert, Bernd, Tommy, ich. Zeitgleich ist noch eine Gruppe von 17 Österreichern mit dem gleichen Veranstalter, aber mit Yüksels Freundin Ismet auf der gleichen Tour unterwegs – wird organisatorisch natürlich zusammen gelegt
Veranstalter: Kesit Tourism & Travel Agency. Unser Ansprechpartner war Yüksel Yilmaz, der Chef der Agentur. Er spricht hervorragendes Deutsch, so dass keine Verständigungsprobleme auftreten, kann gut organisieren, flirtet gerne, erzählt stundenlang. Auf bergsteigerische Führungsqualitäten sollte man nicht hoffen, auch sein skifahrerisches Können ist beschränkt. Wer selbst bergerfahren ist und Wert auf eine gute Organisation bzw. Improvisationstalent im Organisieren legt, ist mit ihm gut beraten. Die Verpflegung war gut. Allerdings sollte Bereitschaft zum Mithelfen, wie Zeltauf- und -abbau vorhanden sein.
Hotels:
Istanbul: Konuklar (heruntergekommen, dreckig, zentral gelegen)
Van: Akdamar (zentral gelegen, allerdings an lauter Straße, hervorragendes Büffet)
Ercis: Grand Arsisa (schaut toll aus, Essen miserabel, Bäder und Fenster reparaturbedürftig)
Dogubayazit: Sim-Er (gut als Ausgangspunkt für Ararat und Ishakpasa gelegen, gutes Essen)

Mi, 28. Sep. 2011 um 00:03
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